
Andrea Winkler erhält den von der Stadt Wien gestifteten und mit EUR 10.000 dotierten Veza-Canetti-Preis 2025. Wie die Rathauskorrespondenz am Mittwoch in einer Aussendung mitteilte, würdigte die Jury, der Andrea Fredriksson-Zederbauer (Mitherausgeberin der Zeitschrift Wespennest und Übersetzerin), Angelika Reitzer (Autorin) und Peter Zimmermann (Journalist und Autor) angehörten, die Preisträgerin als „eine Autorin, die ab ihrem ersten Prosaband eine autonome poetische Stimme etablierte”.
“In ihrer erzählenden Prosa sind alltägliche Begebenheiten und vermeintlich periphere Momente immer wieder Ausgangspunkte für Einsichten von grundlegender Bedeutsamkeit. Hier können Dinge und Gegenstände zum literarischen Gegenüber und Vorkommnisse wie Wind und Wetter zu handelnden Figuren werden. Leicht und klar, spielerisch und philosophisch werden in Winklers musikalischem, assoziativem, zugleich wissensfundiertem Erzählen existentielle Themen verhandelt. Märchenhafte, zauberhafte und komische Elemente sind dabei Bereicherung des Hier und Jetzt ihrer Texte. In ihrem jüngsten Band Mitten im Tag erweitert sich Winklers Prosa zu erzählenden Essays, die in präziser Sprachbeobachtung luzide Fragen an die Beschaffenheit des Alltags und das Leben an sich stellen“, heißt es weiter in der Jurybegründung.
Für die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler gehören Andrea Winklers Texte “zum Interessantesten, was deutschsprachige introspektive Gegenwartsliteratur zu bieten hat. Sie zeugen von einer Entfremdungserfahrung zwischen der Welt und den Erzählstimmen, die oft leise, melancholisch, aber doch auch konstant stark und aufgeräumt die Welt betrachten und beschreiben. Wer sich auf ihre Bücher einlässt und wer sich ihrem entschleunigten Erzählduktus und ihrer Sprache anvertraut, erfährt auf wunderbare Weise eine Erweiterung der eigenen Perspektive auf die Umwelt.“
Andrea Winkler, geboren 1972 in Freistadt/OÖ, lebt und arbeitet in Wien. Sie studierte Germanistik und Theaterwissenschaften und war beruflich in der Erwachsenenbildung und Jugendarbeit tätig. Zu Ihren zahlreichen Veröffentlichungen seit ihrem Kurzprosaband Arme Närrchen. Selbstgespräche (Droschl, 2006), gehören die Romane Hanna und ich (Droschl, 2008), König, Hofnarr und Volk (Zsolnay, 2013), Die Frau auf meiner Schulter (Zsolnay, 2018) und Drei, vier Töne, nicht mehr (Zsolnay, 2010). Zuletzt erschien der Prosaband Mitten im Tag (Sonderzahl, 2025). Von der Kritik gelobt werden ihre Texte vor allem für die verwobene, sehr dichte Erzählweise und für ihr ausgeprägtes Sprach- und Formbewusstsein, das besonders in der neuesten Prosa, die zwischen Erzählung und Betrachtung liegt, Niederschlag findet. Andrea Winkler erhielt u. a. 2005 das Hermann-Lenz-Stipendium, den Österreichischen Förderungspreis für Literatur (2008), den Kulturpreis des Landes Oberösterreich (2012) und das Elias-Canetti-Stipendium der Stadt Wien (2022).
Der 2014 ins Leben gerufene Veza-Canetti-Preis würdigt und unterstützt das vielfältige literarische Schaffen österreichischer Autorinnen. Benannt nach der Wiener Schriftstellerin Veza Canetti (1897–1963), erinnert die Auszeichnung an die Vielzahl von österreichischen Literatinnen, die jahrhundertelang systematisch von der literaturwissenschaftlichen Kanonbildung ausgeschlossen wurden. Das Preisgeld ist mit EUR 10.000 Euro ebenso hoch angesetzt wie bei den Würdigungspreisen der Stadt Wien. Frühere Preisträgerinnen sind u. a. Karin Peschka (2024), Anna Kim (2023), Lisa Spalt (2022) und Olga Flor (2014).
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