
Mit über 90 Werken zählt die 87-jährige Renate Welsh zu den prägendsten Autorinnen der österreichischen Kinder- und Jugendliteratur, die unvergessliche Figuren wie das Vamperl – einen kleinen grünen Vampir, der den Menschen statt Blut das Gift aus der Galle saugt – geschaffen hat. Dass sie immer auch für erwachsene Leser:innen geschrieben hat, ist vielen Leser:innen vielleicht ebenso wenig bekannt wie die Tatsache, dass Renate Welsh Schreibkurse für Obdachlose und Bergbäuerinnen gibt.
Ein neuer Dokumentarfilm und ein Symposium bieten Gelegenheit, die Autorin und ihr Werk erstmals oder noch besser kennenzulernen.
Film
Renate (AT 2025, 82 Minuten) heißt Martin Nguyens berührendes Filmporträt über Renate Welsh, das am Freitag, den 13. Februar 2026 in die österreichischen Kinos kommt. Der Film folgt ihrem bewegten Leben – von einer Kindheit voller Schuldgefühle über die Arbeit mit den Autorinnen Christine Nöstlinger und Mira Lobe an der Reformierung der Schullektüre bis zur Überwindung der eigenen Sprachlosigkeit und Immobilität nach einem Schlaganfall vor wenigen Jahren.
Symposium
Unter dem Titel „Geschichten hinter den Geschichten“ widmet sich am Mittwoch, den 11. Februar 2026 in der Alten Schmiede in Wien ein Symposium der “wissenschaftlichen (Re-)Lektüre des umfangreichen Werks, von der Lyrik bis zum literarischen Netzwerk, von autobiografischen zu sozialkritischen und feministischen Lesarten“.
Auf dem Programm steht neben literaturwissenschaftlichen Vorträgen auch eine Lesung von Renate Welsh aus ihrer Roman-Neuauflage Ich fall mir selbst ins Wort, eine um zusätzliche Erzähl- und Reflexionsebenen erweiterte Fassung ihres Jugendbuchs Dieda oder das fremde Kind (2002). Die Autorinnen Margit Schreiner und Elke Laznia stellen ihre literarischen Respondenztexte zum Werk Renate Welshs vor.
Renate Welsh, geb. 1937 in Wien, aufgewachsen in Wien und Bad Aussee, studierte Englisch, Spanisch und Staatswissenschaften und arbeitete als freie Übersetzerin und beim British Council in Wien. Autorin vieler Kinder- und Jugendbücher – zu den bekanntesten gehören Das Vamperl (1979), Johanna (1984) und Dieda oder Das Fremde Kind (2002) – und Romane wie Liebe Schwester (dtv, 2003) und Großmutters Schuhe (dtv, 2008). Sie wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. Österreichischer Würdigungspreis, Würdigungspreis des Landes Niederösterreich für Literatur, Deutscher Jugendliteraturpreis, Österreichischer Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur, Theodor-Kramer-Preis und Preis der Stadt Wien für Literatur.
Zuletzt erschienen im Czernin Verlag die Bände Kieselsteine: Geschichten einer Kindheit (2019), der Roman Die alte Johanna (2021), der Essayband Hoffnung lebt vom Trotzdem (2022), der Roman Ich ohne Worte (2023), der Lyrikband Leih mir dein Ohr (2024) sowie der Band Ich fall mir selbst ins Wort (2025).
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