
Die serbisch-österreichische Autorin Barbi Marković wird für den Band Stehlen, Schimpfen, Spielen (Rowohlt Verlag, 2025) mit dem heuer zum zweiten Mal vergebenen und mit EUR 7.777 dotierten Helena-Adler-Preis für rebellische Literatur ausgezeichnet.
Das teilte das Literaturhaus Salzburg, wo die Preisverleihung am 15. März 2026 um 11 Uhr stattfinden wird, am Donnerstag in einer Aussendung mit. Die Laudatio wird Mia Eidlhuber halten.
Barbi Markovićs für die Stefan Zweig-Poetikvorlesung an der Universität Salzburg entstandener Text ist „ein höchst unterhaltsamer Regelbruch, ein für alle ermunternder Grenzgang, eine geglückte Stilübung in literarischer Wahrhaftigkeit“, so die Jury, der die Journalistinnen Mia Eidlhuber (Der Standard) und Katja Gasser (ORF) sowie der Buchhändler Klaus Seufer-Wasserthal (Rupertus Buchhandlung Salzburg) angehörten.
“Barbi Marković, die mit ihrem Schreiben schon immer Grenzen auslotet, sprengt auch dieses Mal sämtliche Vorstellungen eines Genres […], entscheidet sich im Zweifel für das Scheitern und schwankt gekonnt in ihrer so genannten ‚Notfallpoetik‘ zwischen Größenwahn und Schutzpessimismus. Schreiben ist für sie ‚ein Machtakt der kleinen, in die Ecke gedrängten Seelen‘. Dieser Moment schafft eine wesentliche Verbindung mit Helena Adler. Mehr noch: Beide schreiben sich, wenn auch stilistisch unterschiedlich, aus ihrer Herkunft heraus, ohne diesen Umstand je zu verleugnen. Genau daraus generieren sie eine ungeheure transformative literarische Kraft, die nicht vordergründig feministisch anmutet, sondern zutiefst selbstermächtigend agiert”, heißt es weiter in der Jurybegründung.
Barbi Marković, 1980 in Belgrad geboren, wo sie Germanistik studierte und zunächst als Lektorin beim Rende Verlag arbeitete. Dort veröffentlichte sie 2006 ihr Buchdebüt Izlaženje, ein Remix von Bernhards 1971 erschienener Erzählung Gehen, das 2009 – von Mascha Dabić aus dem Serbokroatischen in Deutsche übersetzt – unter dem Titel Ausgehen in der edition suhrkamp erschien. Im österreichischen Residenz Verlag folgten die Romane Superheldinnen (2016, u. a. mit dem Förderpreis des Adelbert-von-Chamisso-Preises ausgezeichnet) und Die verschissene Zeit (2021). Für Minihorror erhielt Barbi Marković den Preis der Leipziger Buchmesse 2024. Im selben Jahr bekam sie den Carl-Amery-Literaturpreis zugesprochen. Ihr Piksi-Buch (2024, Voland & Quist) als Fußballbuch des Jahres 2025 ausgezeichnet. Barbi Marković lebt in Wien.
Der Helena-Adler-Preis für rebellische Literatur wurde 2024 in Erinnerung an die Autorin Helena Adler (1983-2024) vom Salzburger Literaturhaus-Leiter Tomas Friedmann ins Leben gerufen und vom österreichischen Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, von der Stadt und dem Land Salzburg, der Gemeinde Oberndorf, vom Literaturhaus Salzburg und von privaten Spender:innen finanziert. Die Auszeichnung wird jährlich für ein belletristisches Werk zeitgenössischer österreichischer Literatur vergeben, das sich “sprachlich, formal wie inhaltlich auflehnt, trotzt und widersetzt”. Der erste Helena-Adler-Preis für rebellische Literatur ging 2025 an die österreichische Autorin Elke Laznia für den Band Fischgrätentage (Verlag Müry Salzmann, 2024).
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