
Dimitré Dinev erhält für seinen neuen Roman Zeit der Mutigen den mit 20.000 Euro dotierten und vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS) gestifteten Hauptpreis des Österreichischen Buchpreises 2025. Der mit 10.000 Euro dotierte Debütpreis (gestiftet von BMWKMS und Arbeiterkammer) geht an Miriam Unterthiners Theatertext Blutbrot.
Die Verleihung, moderiert von den Burgtheater Schauspielern Dorothee Hartinger und Philipp Hauß, fand am Montag Abend in den Praterateliers in Wien statt.
Für die Shortlist nominiert waren noch Monika Helfer Wie die Welt weiterging (Hanser, 2024), Martin Prinz Die letzten Tage (Jung und Jung, 2025), Verena Stauffer Kiki Beach (kookbooks, 2025) und Marlene Streeruwitz Auflösungen. (S. Fischer, 2025), auf der Shortlist für den Debütpreis standen noch Anna Maschik Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten (Luchterhand, 2025) und Michèle Yves Pauty Familienkörper (Haymon, 2025). Sie alle erhalten jeweils 2.500 Euro.
Der Jury gehörten in diesem Jahr Katja Gasser (Leitung Literaturressort, ORF-TV), Stefan Kutzenberger (Schriftsteller und Literaturwissenschaftler, Universität Wien), Theresia Prammer (Schriftstellerin und Literaturkritikerin), Ulla Remmer (Buchhändlerin) und Franz Schuh (Schriftsteller und Literaturkritiker) an.
“Dimitré Dinev hat zwanzig Jahre an seinem Mammutroman Zeit der Mutigen gearbeitet: ein Panorama von vier Generationen, das sich von den Wirren der k. u. k. Monarchie über Faschismus und Kommunismus bis in die 1990er-Jahre spannt. […] Zeit der Mutigen ist ein Kraftakt, ein ‚totaler Roman‘, der an die großen Erzähler des 20. Jahrhunderts erinnert, aber eindeutig im 21. Jahrhundert beheimatet ist und in einer Reihe mit Roberto Bolaños 2666 oder Hilary Mantels Wolf Hall-Trilogie stehen kann. Ein humanistisches Monument von einem Buch, das größer ist als Österreich, und das zeigt: Die Zeit der Mutigen ist noch lange nicht vorbei.”
„Miriam Unterthiners Theatertext Blutbrot nimmt sich eines Kapitels der Südtiroler Nachkriegsgeschichte an, das bislang kaum literarisch bearbeitet wurde: der Fluchthilfe für NS-Verbrecher über den Brennerpass. Figuren wie Eichmann oder Mengele passierten auf ihrem Weg nach Italien und weiter nach Südamerika eine Region, die heute gerne als idyllische Landschaft inszeniert wird und deren Mitverstrickung lange verdrängt blieb. Unterthiner begegnet diesem schwierigen Stoff nicht mit dokumentarischem Realismus, sondern mit großer poetischer Wut und Wucht. […] Das Historische wird so zur Metapher für eine Gegenwart, in der Ressentiments und die Angst vor dem Fremden erneut virulent sind”, so die Jury.
Bei der nunmehr 10. Ausgabe des Österreichischen Buchpreises haben 49 Verlage 72 Titel eingereicht, für den Debütpreis haben sich 23 Verlage mit 29 Erstlingstiteln beworben. Unter den 101 eingereichten Titeln aus den Bereichen Belletristik, Lyrik, Drama und Essay erschienen 30 bei österreichischen, 24 bei deutschen und 4 bei Schweizer Verlagen.
Im Vorjahr wurden Reinhard Kaiser-Mühlecker für seinen Roman Brennende Felder (S. Fischer Verlag) mit dem Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet. Der Debütpreis ging an Frieda Paris für den Lyrikband Nachwasser (Voland & Quist).
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