
Kaśka Bryla erhält den mit EUR 10.000 dotierten Veza-Canetti-Preis 2026. Wie die Stadt Wien heute in einer Aussendung mitteilte, findet die Verleihung der Auszeichnung am 3. Dezember 2026 in der Alten Schmiede in Wien statt.
Überreichen wird den Preis Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, die Kaśka Brylas Texte als „psychologisch eindringliche und sprachlich präzise Spiegelungen unserer Gegenwart“ würdigte. „Mit großer Sensibilität für das Innenleben ihrer Figuren, für persönliche Krisen und körperliche Verletzlichkeit gelingt es ihr, eine Literatur zu schaffen, die im besten Sinn politisch ist. Ihre Figuren sind widerständig und verhandeln existenzielle Fragen. Kaśka Brylas Texte verbinden politische Verantwortung, subjektive Erfahrung und ästhetische Form zu einem vielschichtigen, eindrucksvollen und überzeugenden Ganzen.“
„An den geschmackssicheren Interieurs einer bürgerlichen Mittelschicht hat Kaśka Brylas Erzählkunst ebenso wenig Interesse wie an deren dünkelhafter Nabelschau. Brylas literarische Figuren leben auf Campingplätzen, arbeiten in Justizvollzugsanstalten, sind Hackerinnen oder erwerbslos. Sesshaftigkeit ist für sie nicht von Dauer, und die Gewalt, mit der sie als Kinder und Jugendliche mitunter Erfahrung machten, schärft ihren Sinn für Unrecht, für den Widerstand gegen die Norm – und für Freundschaft. Brylas Prosa bezieht ihre Kraft aus den alten Fragen nach Schuld, nach der Verpflichtung einst gegebener Versprechen und nach dem Bösen, zu dem der Mensch fähig ist und auf das er in keinem Glauben mehr Antwort findet. Trost spenden Tiere. Brylas Sprache überzeugt mit einer Atemlosigkeit, die bis in die Interpunktion reicht, und scheut nicht zurück vor der Frage, was Literatur darf“, begründete die Jury, der Andrea Fredriksson-Zederbauer (Mitherausgeberin der Zeitschrift Wespennest), Angelika Reitzer (Autorin) und Peter Zimmermann (Literaturkritiker und Autor) angehören, ihre Wahl.
Kaśka Bryla wurde in Wien geboren und wuchs zwischen Wien und Warschau auf. Sie studierte Volkswirtschaft in Wien sowie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, wo sie 2015 die Literaturzeitschrift PS – Politisch Schreiben mitbegründete, in dessen Redaktion sie bis heute mitarbeitet. Bryla schreibt Prosa, Essays und dramatische Texte. Sie wurde 2018 mit dem Hauptpreis des exil-Literaturpreises ausgezeichnet und mehrfach für Stipendien – von Bund und Stadt Wien – ausgewählt.
Ihr literarisches Debüt gab sie mit Roter Affe (2020, Residenz Verlag), gefolgt von Die Eistaucher (2022, Residenz Verlag). 2023 wurde ihr Stück Im Herzen der Krähen im WERK X-Petersplatz uraufgeführt. Ihr 2025 erschienener Roman Mein Vater, der Gulag, die Krähe und ich (Residenz Verlag) war für den Österreichischen Buchpreis nominiert. Einen Ausschnitt aus dem Roman hatte sie 2024 auf Einladung von Jurorin Brigitte Schwens-Harrant bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt gelesen. www.kaskabryla.com
Der 2014 ins Leben gerufene Veza-Canetti-Preis würdigt und unterstützt das vielfältige literarische Schaffen österreichischer Autorinnen. Benannt nach der Wiener Schriftstellerin Veza Canetti (1897–1963), erinnert die Auszeichnung an die Vielzahl von österreichischen Literatinnen, die jahrhundertelang systematisch von der literaturwissenschaftlichen Kanonbildung ausgeschlossen wurden. Das Preisgeld ist mit EUR 10.000 Euro ebenso hoch angesetzt wie bei den Würdigungspreisen der Stadt Wien. Frühere Preisträgerinnen sind u. a. Andrea Winkler (2025), Karin Peschka (2024), Anna Kim (2023), Lisa Spalt (2022) und Olga Flor (2014).
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