Telefongespräche mit Ernst Jandl.

Klaus Siblewski

// Rezension von Iris Denneler

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Am Anfang der Lektüre stand Skepis, am Ende ungeteilte Zustimmung. Klaus Siblewskis in den letzten vier Jahren vor Jandls Tod geführte Telefongespräche (aus Notaten konjunktivisch in Form gebracht) wurden ein so privates wie diskretes, melancholisches wie selbstironisches Porträt des großen Lyrikers – Fortsetzung jener „szenen aus dem wirklichen leben“, die der Lektor in über zwanzig Jahren dank seiner Hebammendienste an die Öffentlichkeit zu bringen half.
Wie das „lustige Schriftstellerleben“ im Alltag wirklich aussah: wenig amüsant! Beschwerlich Alter und Krankheit, erschöpfend die Lesetouren, das Werke-Verwalten und Rechte-Sichern. Der Lektor nimmt dem Autor ab, was er kann, ist Mittler nach draußen, Gedächtnis, Berater, Sekretär, Gesprächspartner, Seelenarzt. Ob im Urlaub oder an Weihnachten, er teilt die Hochs und Tiefs, die Phasen des Schweigens wie die der ‚loggoröh‘ mit seinem Autor.

Im Duktus zugleich kunstvoll und dokumentarisch („jetzt kommts“), hält das Buch die schöne Balance zwischen Zeugnis und Bild, zwischen öffentlicher Rolle und Privatissimum, zwischen Biographischem und Poetischem. Ein Freund und Kenner der Werke läßt noch einmal Jandls Stimme sprechen und vertraut den Lesern. Kein Kommentar. Biographie – ein Spiel. Wie immer: A KOMMA PUNKT.

Iris Denneler
10. September 2001

Originalbeitrag

Ein Portrait
Ulm: Luchterhand, 2001.
192 S., brosch.; öS 135.-.
ISBN 3-630-62018-3

Rezension vom 10.09.2001

Originalbeitrag. Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser:innen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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