Sinngummis à la minute.

Dominik Steiger

// Rezension von Susanne Zobl

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Mit dem kulinarisch anmutenden Titel „Sinngummis à la minute“ scheint Dominik Steiger zunächst einmal zwei Hinweise zu geben: zum einen auf die Dehnbarkeit des Sinns – wie eben „-gummi“ – und zum anderen auf die rasche Zubereitung der Texte – also „à la minute“.
„Sinngummis à la minute“ verweist aber auch noch auf seinen Vorgängerband „Thingummys“, was im Englischen ‚Dingsbums‘ bedeutet. Was also auf den ersten Blick wie die schriftliche Übertragung der schlechten Aussprache von „Thingummy“ anmutet, hat hier Methode. Wenn diese auch nur darin besteht, den Leser zu Höchstleistungen im Deuten anzuspornen.

Sinngummis können nicht näher definiert werden als eben vielfach deutbares Dingsbums oder Texte, spontan produziert und überarbeitet. „À la minute“ mutet da auf den ersten Blick schon eindeutiger an, doch scheint es nur so. Gleichwohl diese Wendung dem Kulinarischen entnommen ist und die rasche Zubereitung von Speisen meint, wird man bei der Lektüre sofort Vergleiche zur écriture automatique der Surrealisten ziehen. Ob Steiger wie Bréton, Soupault und Co. versucht hat, Protokolle menschlicher Denkmechanismen zu liefern, spielt dabei jedoch keine Rolle. Denn dieses „à la minute“ verweist auf die rasche Textproduktion. Ohne Rücksicht auf Form und Inhalt wird darin „Gesehenes, Gehörtes, Gelesenes“ wiedergegeben. Willkürlich gekürzt, neu zusammengestellt, wie Steiger bei seinen Vorträgen auch seinen Hörern mitteilt, bleiben die Texte eben, was sie sind: Ergebnisse spontanen Niederschreibens wovon auch immer.

Es wird einfach dahererzählt, ohne das Erzählen allzu wörtlich zu nehmen. Worte werden mit einander verkuppelt, in Beziehung gebracht, machen Sinn oder auch keinen – im Grunde genommen ist dies einerlei.
Nur eines sollen sie – Spaß machen.

Susanne Zobl
13. August 1997

Mit einem Nachwort von Mechthild Rausch.
Graz, Wien: Droschl, 1997.
108 S., brosch.; öS 200.-.
ISBN 3-85420-444-2.

Rezension vom 12.08.1997

Originalbeitrag. Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser:innen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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