#Prosa

Salzburg, Regen, 8 Grad

Astrid Wintersberger

// Rezension von Peter Landerl

Wenn man in den sogenannten Nordstaulagen des oberösterreichischen Alpenvorlandes aufgewachsen ist, den Regen eigentlich gewöhnt sein sollte, sich mit dem permanenten Sauwetter aber nicht abfinden kann; wenn man ein vom Wetter Geplagter ist, der sich nach Sonne und Wärme sehnt und stets Regen und Kälte kriegt, dann fühlt man sich manchmal einsam und machtlos dem ungnädigen Wettergott gegenüber. Für einen wie mich ist es daher erfreulich zu wissen, daß es Leute gibt, denen es ähnlich geht und die darüber – wie Astrid Wintersberger – schreiben. Salzburg, Regen, 8 , im Untertitel Ein Überlebensbuch für Schlechtwettergeplagte heißt ihr Buch (welche Ironie: als das Rezensionsexemplar zu Frühlingsbeginn im Postkasten lag, waren nach drei Tagen Dauerregen weite Teile Österreichs von Hochwasser bedroht).

Eingangs des Buchs weist Wintersberger statistisch korrekt nach, daß das Wetter in Salzburg (auf das sich der Ratgeber bezieht) tatsächlich schlecht ist. Während Salzburg 189 Regentage aufweist, hat Wien nur 139 zu verzeichnen. Besonders in den Monaten Mai bis August regnet es in Salzburg sehr oft – etwa doppelt so viel wie in Wien. „Die Gleichung Regen = Schlechtwetter hat in Salzburg leider fast immer Gültigkeit; das fröhliche Getrommel auf den Dächern, das gerade zur rechten Zeit einsetzt, die Sommerhitze lindert und sicher nach ein paar Stunden wieder endet, ist hier die Ausnahme, die die Regel bestätigt.“

Im Ratgeberteil beantwortet sie u. a. folgende Fragen: Wo bekommt man welchen Regenschutz? Was macht man an Regentagen mit lästigen Kindern? Welche Ausflugsziele lohnen auch bei Schlechtwetter? Welche Gaststätten bieten wohlig-warmen Schutz vor der Nässe? Weiters bietet das Buch rechtliche Hilfe bei schlechtwetterbedingten Streitfällen: Was passiert, wenn ein Auto durch eine Wasserlache rast und einem Fußgänger die Kleidung naßspritzt? Wer haftet für den Schaden, wenn bei einem Gewitter Wasser durchs Dach kommt? Was passiert, wenn eine Freiluftveranstaltung wegen Schlechtwetter abgesagt wird? Viele Fragen – viele Antworten.

Garniert sind die nützlichen Empfehlungen und Tipps mit Texten von ebenfalls unter schlechtem Wetter leidenden Schriftstellern. Erich Kästner etwa schrieb: „Der Regen regnet sich nicht satt. / Es regnet hoffnungslosen Zwirn. / Wer jetzt ’ne dünne Schädeldecke hat, dem regnet’s ins Gehirn.“ Ungewöhnlich muten folgende (frühe) Verse von Thomas Bernhard an: „Du schöne Stadt am Salzachfluß, / Ich schloß dich in mein Herz, / Trotz täglich starkem Regenguß / Und kindlich hartem Schmerz.“

Für die, die es wirklich genau wissen wollen, hat Wintersberger am Schluß des Buches ein Wörterbuch der Regensarten zusammengestellt, in dem sie die Unterschiede zwischen Hunde- und Sauwetter, zwischen Land- und Schnürlregen, zwischen tröpfeln und kübeln erklärt.

Resumé: Unterhaltsamer Trost und Rat für wasserscheue Seelen.

Salzburg, Regen, 8 Grad. Ein Überlebensbuch für Schlechtwettergeplagte.
Salzburg, Wien, Frankfurt: Residenz Verlag, 2002.
128 Seiten, broschiert.
ISBN 3-7017-1274-3.

Rezension vom 25.03.2002

Originalbeitrag. Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser:innen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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