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Laute Paare. Szenen, Bilder, Listen

Margret Kreidl

// Rezension von Sabine E. Selzer

„Die Banane wächst, der Pfirsich fällt vom Bett.“ So zweideutig eindeutig geht es zu bei Margret Kreidls lauten Paaren, sie nehmen sich kein Feigenblatt vor den Mund, ebensowenig wie die Autorin, die kommenden Dienstag an der Hochschule von Szombathely aus ihren neuesten Texten lesen wird.

Zum Beispiel aus dem kürzlich in der „Edition Korrespondenzen“ erschienenen Bändchen Laute Paare. Szenen, Bilder, Listen, einer Textsammlung, in der die Grenzen zwischen Prosa und Lyrik ebenso verschwimmen wie jene von Kunst und Pornografie. Kreidl arbeitet lustvoll mit Klischees, mixt Elemente verschienster Textsorten, Werbesprache mit den Szenen eines Boulevard-Stücks und montiert den Reigen der Paarungen im Anklang an das antike Muster „drei Tragödien und ein Satyrspiel“ zu einem komplexen Ganzen. Wobei wir es genaugenommen allenfalls mit Tragikomödien zu tun haben, auch wenn in den auf Regieanweisungen reduzierten „Kammerspielen“ ebenso fleißig (selbst)gemordet wird wie kopuliert.

Die ersten drei Teile folgen einem festgelegten Muster. Was mit Alltagsutensilien und Schauplätzen beginnt, weitet sich schnell aus auf eine umfassende Analyse der Verwendungsmöglichkeiten diverser Körperteile, wobei der Fantasie (fast) keine Grenzen gesetzt sind, und endet in einem ungleichen Liebesgeflüster, aus dem SIE eindeutig als – wenn auch nicht gerade moralische – Siegerin hervorgeht in dem und ER sich weitgehend zum Idioten macht. Zwischendurch erfahren wir die Freuden von einsamem Konsum- und Fressparadies.
Da aller guten Dinge drei sind, erfahren wir den Ablauf drei Mal in verschiedenen Figuren- und Sprachkonstellationen, um dann im „Satyrspiel“ zu dritt den Höhepunkt zu erklimmen. „Das steile Glück“ ist ein trauliches Bergsteigerlebnis nach dem Motto „Auf der Alm, da gibts ka Sünd“, das für den einen letal und die anderen beiden (Frauen, natürlich) in den Wolken endet.

Frech und offensiv auch Margret Kreidls Sprache: ihre literarische Laufbahn begann in Kreisen experimenteller Literatur, unter anderem als Mitarbeiterin der Zeitschrift „Perspektive“, die sie bereits während ihres Studiums in Graz kennenlernte. Seither veröffentlichte sie zahlreiche Prosabände, Stücke und Hörspiele. Manche ihrer Texte wurden auch bereits in andere Sprachen übersetzt. Die 1964 in Salzburg geborene Autorin lebt heute als freie Schriftstellerin in Wien.
In ihren letzten Arbeiten ist abgesehen vom Einfluss Ernst Jandls eine besondere Affinität zu Stabreimen auffallend, die Lust an launiger Verfremdung und die Tendenz, Szenen so lange auf das Wesentlichste zu reduzieren, bis sie zeigen, was sie sind, eine reine Farce.
Ihre Art des Vortragens ist eine der sehr deutlichen Artikulation und doch beinahe lakonisch. Selten erhebt sie die Stimme, die Szenen, Bilder und sogar die „Listen“ sind dramatisch genug, zusätzliche Theatralik bekäme ihnen wohl kaum.
Begehren und Aufbegehren liegen in den Texten sehr nahe beisammen, Margret Kreidl baut auf starke Bilder und vor allem auf die Wirkung subversiver Ironie.

Margret Kreidl Laute Paare. Szenen, Bilder, Listen
Textsammlung.
Wien: Edition Korrespondenzen, 2002.
99 S.; geb.; mit CD.
ISBN 3-902113-17-0.

Rezension vom 13.01.2003

Originalbeitrag. Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser:innen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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