#Roman
#Debüt

Kleine Schule des Karussellfahrens.

Arno Geiger

// Rezension von Anne M. Zauner

Ein Du und Lila treffen aufeinander. Es entwickelt sich eine kurze Affäre. Dieses Du, das sich auch Philipp Worovsky nennt, ist nicht besonders sympathisch, nicht besonders intelligent, auch nicht heroisch und nicht besonders sensibel – es ist nichts Besonderes. Und dennoch sehnt es sich trotzig nach dem Außergewöhnlichen, es träumt von Neuseeland, Napoleon oder der Französischen Revolution. Zu schwach, seinen Träumen Wirklichkeit einzuhauchen, döst es meist vage in sommerlicher Alltagsfadesse und scheitert programmgemäß an seiner ironischen Distanz zum Leben: „Du bist beim besten Willen kein Held, du bist einfach nur du“. Und dieses Du bleibt im Unbestimmten.

Vielleicht, suggeriert der Autor, hätte sich sein Protagonist zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort zu wahrer Größe aufschwingen können.
Vielleicht hätte er entscheidende Worte unter dem Fallbeil der Guillotine finden können. Aber so…

Nachdem das Heute ihm Größe verwehrt, füllt Worovsky die leeren Seiten mit kurzlebigen Affägen. Aber seine Obsessionen für Lila, Lana und Katja sind ebenso wesenlos wie seine Liebelei mit Lolly, einem DIN A 4-Model aus einer Hochglanzmodezeitschrift aus dem Wartezimmer seines Zahnarztes. „Dein Leben kommt mir vor wie Buchattrappen in Möbelgeschäften, hohle Pappdinger“, wirft ihm die zweidimensionale Lolly hellsichtig an den Kopf. Und Arno Geiger läßt uns keine Hoffnung, daß sich dieses Du irgendwann in ein Ich verwandeln könnte.

Kleine Schule des Karussellfahrens ist der erste Roman des jungen Vorarlberger Schriftstellers. Das Buch ist im renommierten Hanser Verlag erschienen, ein Jahr nach Geigers Teilnahme am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Die Wettbewerbsjury konnte sich für die Erzählung „Das Kürbisfeld“ nicht begeistern, und es ist dem Hanser Verlag anzurechnen, daß er sich trotzdem für den Autor und seine Schattenfigur Philipp Worovsky interessierte.

Roman.
München, Wien: Hanser, 1997.
245 S., geb.
ISBN 3-446-19107-0.

Rezension vom 20.09.1997

Originalbeitrag. Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser:innen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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