#Prosa

Jason Crane, der Tod und König Blaubart

Martin Kolozs

// Rezension von Angelo Algieri

Jason Crane ermittelt wieder. Diesmal ist im Park eine tote Frau gefunden worden: nackt, das Gesicht unkenntlich gemacht, beide Hände gewaltsam abgetrennt. Dieser grausame Leichenfund steht am Beginn der Crimestory Jason Crane, der Tod und König Blaubart des 32-jährigen Autors Martin Kolozs. Erschienen ist der Band im Klagenfurter Kitab-Verlag.

Der kauzige Lieutenant Crane verhört zunächst den Obdachlosen William James Butler. Der ehemalige Börsenspekulant stolperte im Stadtpark über die Leiche. Doch Anzeichen, dass Butler auch der Mörder sein könnte, gibt es nicht. Die Leiche scheint woanders umgebracht und in den Park verschleppt worden zu sein.
Währenddessen plagen den ungemütlichen Crane Eifersuchtsanfälle. Zwar sind er und seine Frau Linda geschieden. Doch während Crane in seinem neuen Fall ermittelt, lernt Linda einen charmanten Mann in einem Museum kennen, und schon am ersten Abend landen sie im Bett. Obwohl geschieden, kann sich Crane keinen anderen Mann neben seiner Ex vorstellen – es macht ihn rasend. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als seine Eifersucht mit Alkohol in der nächsten Kneipe zu betäuben.
Die Obduktion ergibt, dass die Leiche erschlagen worden ist. Womit der Täter nicht gerechnet hat: Die Frau hat eine Prothese in der Hüfte. Ihre Identität wird über die Seriennummer ermittelt: Lorraine Woodhouse. Crane schlussfolgert, dass der Täter wohl neu in der Stadt sein müsse. Ansonsten hätte er wissen müssen, dass sich im Stadtpark viele Obdachlose tummeln. Bald darauf lernt Crane den neuen Lover seiner Ex-Frau kennen: Er bleibt ruhig, hat aber ein ungutes Gefühl. Und er soll recht behalten …

Martin Kolozs‘ Krimi-Erzählung ist eine Hommage an die amerikanischen Kriminalromane der 1930/40er Jahre, der hardboiled detective novel. In diesen Romanen agieren kernige Kommissare oder Privatdetektive, etwa Detective Philip Marlowe in Raymond Chandlers Texten. Wie diese Detektive säuft auch Lieutenant Crane. Doch kombiniert er weniger und ist nicht auf Schurken der Unterwelt angewiesen. Stattdessen lässt sich Crane vom Zufall und seiner Intuition leiten.
Und mit dem Zufall sind wir schon beim Kernthema dieser Crimestory: Was dem Lieutenant ein Segen, ist dem Täter ein Fluch. Nur durch das Erscheinen Lorraine Woodhouses vor der Tür des Täters gerät alles ins Wanken. Dazu stolpert der Obdachlose zufällig über die Leiche und Linda und Dan lernen sich zufällig in einem Museum kennen. Und zufällig ist der Ex-Mann von Linda jener Lieutenant, der den Fall aufklären soll.
Zu viel des ironisch anmutenden Zufalls?
Nein. Denn genau das ist das unterhaltsame und charmante an Kolozs‘ Krimi-Erzählung. Als ob uns Kolozs zurufen möchte: Nichts ist planbar! oder: Der Zufall wird es schon richten! Und mit dieser Frage, ob das Leben vorherbestimmt oder selbstbestimmt ist, steht Kolozs‘ Erzählung in bester literarischer Tradition, nach Denis Diderots „Jacques der Fatalist und sein Herr“ oder der argentinischen Autorin Lucía Puenzo mit ihrem zuletzt erschienenen Roman „Der Fluch der Jacinta Pichimahuida“.

Der gebürtige Grazer Martin Kolozs, Verleger des Kyrene Literaturverlags, hat mit seiner Crimestory eine unterhaltsame, witzige und spannende Erzählung geschrieben. Mit seinen konzentrierten und reduzierten Sprachstil erinnert er an die großen amerikanischen Erzählmeister Dashiell Hammett oder Ernest Hemingway.

Martin Kolozs Jason Crane, der Tod und König Blaubart
Crimestory.
Klagenfurt: kitab, 2011.
73 S.; brosch.
ISBN 978-3-902585-70-7.

Rezension vom 08.06.2011

Originalbeitrag. Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser:innen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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