#Roman

Jagdrausch.

Heinz Kröpfl

// Rezension von Peter Reutterer

Literarische Krimispannung und mehr

Mit Jagdrausch (Verlag Anton Pustet) setzt Heinz Kröpfl, dieses Mal mit einem Kriminalroman, den Reigen seiner Publikationen fort. Es ist bereits sein 18. Buch, und zunehmend scheint der Autor auch in seiner steirischen Heimat Anerkennung zu ernten.

Sehr präzise wird gleich zu Beginn eine Figurenkonstellation aufgebaut, die einem bis zum Finale den Atem raubt. Denn in jedem der prägnanten Kapitel dominiert das Jagdfieber in verschiedensten Ausformungen. Zunächst wird Rosa vorgestellt, die mit ihrem Freund, dem Schriftsteller Jeremias, Schluss gemacht hat, und nun allein in einem Waldgebiet auf einen Tunnel zueilt. Bedrohlich gegenwärtig von Beginn an ein bewaffneter Mann in einem Geländewagen, dessen Identität erst zuletzt preisgegeben wird. Seine Jagdleidenschaft lässt Schlimmstes befürchten. Die Polizei hingegen schießt sich früh auf den ihr dubiosen Schriftsteller ein, nachdem Rosa nicht mehr zu Hause aufgetaucht ist. Der abservierte Liebhaber eignet sich ideal als Täter, die Öffentlichkeit kann so rasch mit einem Aufklärungserfolg abgespeist werden. Aus verschieden Perspektiven und mit erhellenden Rückblicken nimmt das Geschehen Fahrt auf, der Leser rätselt mit. Aber Kröpfl bietet nicht nur eine Kriminalgeschichte, er findet zwischendurch auch zur Satire, u.a. mit dem wiederkehrenden Blick auf einen schwitzenden Vernehmungsbeamten.

Dominant aber die spannende Geschichte, man fiebert dem Finale entgegen, das einiges an Überraschung aufzuwarten hat. In schneller Folge wechselnde Blickwinkel und changierende Innenwelten verlangen vom Leser Konzentration. Die Raffinesse der Geschichtswendungen verwirrt aber keineswegs, dafür sorgt u.a. eine sehr kompakte und klare Sprache, die bereits als Markenzeichen von Heinz Kröpfl gehandelt wird. Keineswegs übersehen werden darf die gesellschaftskritische Seite dieser Neuerscheinung. Die Polizisten sind recht dumpfe Beamte, und auch die Gerichte scheinen in diesem Staat keineswegs an Gerechtigkeit interessiert zu sein. Der Existenz und der Arbeit eines Schriftstellers wird eine angemessene Achtung versagt.

Zum Schluss möchte ich noch einmal auf das Lesevergnügen zurückkommen, das einem der Sog dieses Textes verschafft. Die wirkliche Überraschung am Ende der Erzählung darf natürlich nicht verraten werden, der Hinweis darauf soll aber den Gusto auf die Lektüre anregen.

(K)ein Kriminalroman.
Salzburg: Anton Pustet Verlag, 2022.
168 S.; geb.
ISBN 978-3-7025-1069-5.

Rezension vom 14.09.2022

Originalbeitrag. Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser:innen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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