#Roman

Fauler Zauber.

Andreas Plammer

// Rezension von Spunk Seipel

Eigentlich ist der Harald ein wahrer Taugenichts und ganz zufrieden mit seinem Leben. Er treibt ohne Ziel durch das Nachtleben von Wien und die Betten der weiblichen Tresenkräfte – ohne eine feste Bindung anzustreben.

Aber zum einem hat er sich unglücklich in die Maria verliebt, die ihn eines Tages verlassen hat und ihn zurückließ „wie irgendein Möbelstück“, weswegen für ihn die Liebe jetzt eigentlich pass´e ist. Zum anderen macht er sich plötzlich Gedanken über den Tod von der Nadine. Die war auch mal eine Bardame, hat ihn aber zu ihren Lebzeiten nicht wirklich interessiert. Als sie jedoch dem Jürgen aus dem Fenster gefallen ist, fängt er sich zu wundern an. Denn die Nadine ist nicht die erste seiner flüchtigen Bekannten, die aus einem Fenster in den Tod stürzt und sie wird auch nicht die letzte sein.
Harald sitzt zumeist in seiner Stammkneipe, dem Simsalabim, verkehrt regelmäßig in seiner ehemaligen Stammkneipe, dem Abrakadabra, und manchmal auch in anderen eher zwielichtigen Etablissements. Dort lernt er die unterschiedlichsten Menschen kennen, die alle mehr oder weniger miteinander zu tun haben. Barbekanntschaften eben, die manchmal tödlich enden. Obwohl es „Innenstadtbars“ sind, wird eine randständige Beislkultur beschrieben. Kein Glamour, keine Szene, stattdessen einsame Männer, die nicht immer einer seriösen Beschäftigung nachgehen und Mädchen am Tresen, die meist sturzbesoffen sind und einen ihrer Gäste auch mal mit nach Hause nehmen um die Langweile, den Frust oder die Angst vor dem Alleinsein zu bekämpfen.
Harald versucht saufend und vögelnd mehr über das Schicksal von Nadine, von Petra, die vor einem Jahr in seinem Hinterhof in den Tod gestürzt ist und von Verena, die nach einer gemeinsam durchzechten Nacht in den selben Hinterhof fällt, zu erfahren. Immer wieder taucht in den Berichten der anderen ein Jürgen auf, mit dem er sich nicht nur die Stammlokale, sondern auch die Frauen teilt, ohne dass er ihn jemals persönlich kennenlernt. Das wurmt den Harald besonders und ist zum Running Gag in der Geschichte ausgebaut.
Über seine „Ermittlungen“ gerät der Harald selber in Verdacht, etwas mit dem Tod der einen oder anderen Frau zu tun zu haben. Oder bildet er sich das nur ein?

Plammer hat jedes der 21 Kapitel mit einem anderen Namen überschrieben, es sind 21 kleine Portraits von Menschen, die nicht viel mehr vom Leben wollen, als zu Saufen, Sex zu haben und im übrigen in Ruhe gelassen zu werden. Es sind die kleinen, unscheinbaren Leute, die seinen Roman bevölkern. Trotzdem wird die Geschichte so vorangetrieben, dass nie der Spannungsbogen abreißt. Das wunderbare an diesem Kriminalroman in dem halbseidenen Milieu ist, dass er sich wohltuend von der Brutalisierung so vieler anderer Kriminalromane abgrenzt. Plammer muss nicht die perversesten Tode, die härtesten Kriminaler, die größten Versager schildern, um seine Geschichte voranzutreiben. Die Morde, die Motive, die Personen, sie sind ihm glaubhaft geglückt. Er hat vollbracht, woran so viele andere Autoren scheitern. Die Szene der Taugenichtse in einem verlotterten Nachtleben glaubhaft zu schildern und den Protagonisten dabei immer ihre Würde zu lassen.
Schade ist eigentlich nur, dass sich Plammer zu sehr an die Sprache der „Brenner-Romane“ von Wolf Haas anlehnt. Schon die Anfangssequenz könnte von Haas persönlich stammen und das verleidet einem manchmal ein klein bisschen das Lesevergnügen. Andererseits passt diese melancholische Sprache auch ideal zu den Personen und der Handlung des Romans.
Abgesehen von diesem kleinen Manko kann man wirklich gespannt sein, ob Andreas Plammer das Unterhaltungsniveau von Fauler Zauber in den angekündigten Fortsetzungen seiner Harald- Romane halten kann. Wünschen kann man es den Lesern nur.

Kriminalroman.
Wien: Milena Verlag, 2011.
368 S.; brosch.
ISBN 978-3-85286-211-8.

Rezension vom 08.03.0212

Originalbeitrag. Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser:innen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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