Ein Florilegium.

Paul Flora, Karl-Markus Gauß

// Rezension von Helmuth Schönauer

Link zur

Der „Bilderzähler“ Paul Flora und der „Dichter der Randkulturen“ Karl-Markus Gauß sitzen an einem Gartentisch und lassen die Südtiroler Tageszeitung mit fröhlichem Gesichtsausdruck auf sich einwirken. Mit diesem sonnigen Foto von Wolfgang Pfaundler endet ein wunderbares Buch über Paul Flora.
Ein versöhlicher Abschluss des Bildbandes, an dessen Beginn ein wuchtiger Herrenfahrer finster und speedwütig in einem Einsitzer-Cabriolet sitzt – eigentlich ist es ein Kinderwagen, in dessen Schalensitz die Bauchwülste drapiert sind. Dieses Frontispiz aus dem Jahre 1938 ist mit ungewöhnlich fettem Strich ausgeführt, als wollte Paul Flora uns ein für allemal sagen: so eklig kann fetter Strich sein!
Die bekannten feingestrichelten Bilder zeigen dann die „Wappentiere“ Floras, Älpler, Raben, Hochradfahrer, Windmühlenreiter.

Im Textteil hat Karl-Markus Gauß kurz und einfühlsam ein Alphabet Floras zusammengestellt, Akademie, Bäume, Glurns, Melancholie, Österreich, Strich, Talent, Wagner, Venedig, Zeichner. Schon die Aufzählung der Kapitelwörter liefert einen schönen Lebenslauf, und in den Aufsätzen sind dann Empfindungen, Betrachtungs-Konnotate, Fakten und Anekdoten zu jenem schönen Gewirr versponnen, das dem Federstrich Pauls Floras entspricht und diesen regelrecht widerspiegelt.
Der Leser erfährt durch diese luftig komponierte Lebensschau zahlreiche Details, in kleinen „Hauchbildchen“ kann sich der Flora-Betrachter informieren über den Durchbruch des Meisters in der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“, über seinen Beginn mit Tiroler Urtieren und Urmotiven, über die recht ruppigen ersten Schritte in der Akademie. Es gibt kleine Erzählungen über die wichtigsten Motive und über den Zusammenhang zwischen Bild, Komposition und Journalismus mit der Zeichenfeder.

Und wenn etwa in der Mitte des Bandes der Textteil in den Bildteil übergeht, ist der Betrachter schon längst zu einem überzeugten Gratulanten geworden, der Paul Flora alles Beste zum 80 Geburtstag wünscht – in bester Stimmung!

Helmuth Schönauer
31. Juli 2002

Originalbeitrag

Salzburg: Otto Müller Verlag, 2002.
(Galerie Seywald, Salzburg)
o.P., geb., zahlreiche Abb., EUR 22.-.
ISBN 3-7013-1054-8.

Rezension vom 30.07.2002

Originalbeitrag. Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser:innen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

Informiert
bleiben

Sie können 3 Newsletter abonnieren:

  • Literaturhaus Wien News
  • Literaturhaus Wien Veranstaltungsprogramm
  • Österreichische Exilbibliothek News

Bitte schicken Sie uns eine entsprechende Nachricht mit dem Betreff „Newsletter bestellen“. Für Abbestellungen bitte im Betreff „Newsletter abbestellen“ schreiben.