#Prosa

Die Schönen des Waldes.

Herbert Rosendorfer

// Rezension von Sabine E. Selzer

Alles dreht sich um das Eine. Und wenn dazu die Patres auftreten, dann nennt man es Sünde. Naiv zu glauben, die beiden Grundthemen von Herbert Rosendorfers Bildsatiren würden sich schlecht miteinander vertragen – Sex und Kirche haben etliche Berührungspunkte, auch ohne die vielzitierte Pfarrersköchin. Der Künstler ist nicht angewiesen auf Klischees. Und lässt der bösen Feder freien Lauf. Oder hier vielmehr dem Pinsel.

Rosendorfer ist nämlich ein Multitalent. Staatsanwalt und Professor für bayerische Literatur, Schriftsteller und Zeichner. Und wie in seiner Prosa baut er auch in den Zeichnungen auf das satirische Element. Wie der Titel bereits vermuten lässt, stoßen wir in den Schönen des Waldes auf diverse – in diesem Fall meist nahezu unbekleidete – Frauengestalten verschiedensten Typus‘. Vom süßen Mädel mit dem blonden Zopf bis zum sado-maso geschnürten Lustobjekt in Gesellschaft einer schwarzen Katze. Mal heimlich beobachtet in grüner Idylle, mal als von Zwergen zu Bemalende oder Model für zweifelhaft modische Accessoires, posierend im Mondlicht oder an ein Mäuerchen gelehnt.

Und da sind dann noch die Geistlichen Herren. Vergleichsweise harmlos unter ihnen der „Papa Creator“ Johannes Paul, ein Weltenschöpfer, der nach getaner Arbeit nur ein bisschen grantig von seiner Sofawolke blickt. Unschuldig kindlich der Bischof mit Heiligenschein – Titel: „Hallo! Ich bin heilig. Du auch?“ Deftiger wird es allerdings im Zyklus „Verfolgung und Vertilgung sündhafter Monsignori und Prälaten“: Überall lauert die himmlische Gerechtigkeit auf die rundlichen Würdenträger, beim Spaziergang, beim Geld zählen oder im Bett mit der Geliebten. Und so manch ein Luftballon, der Hochwürden noch höher trägt in den Karrierehimmel, trägt unverkennbar Satans Züge – und platzt ganz unverhofft.

Ein besonderes Schmankerl auch der Zyklus „De Profundis“, wo Rosendorfer durch ungewöhnliche Perspektive vorführt, was der Boden unter unseren Füßen alles zu sehen bekommt. Das Spektrum reicht vom küssenden Papst aus der Sicht der Erde über eine Szenerie im Badezimmer, bei der sich die Kameraleute der Reality-Shows noch einiges abschauen könnten, bis zu einer nackten Blondine, die selig am Strand entschlummerte bei der Lektüre von Botho Strauß. Vielsagend auch „Blondi von der Wolfsschanze“, eine Szene aus „Hunde dieser Welt“, in der ein Herr Obersturmbandführer, Gauleiter o.ä. mit seinem Liebling Gassi geht; das dampfende Ergebnis von Blondis Anstrengungen gleicht – zumindest farblich – der Uniform des lieben Herrls aufs Haar…

Großteils verzichtbar wären allerdings die erklärenden Begleittexte gewesen. Ein „Opus Rosendorferi“ spricht eigentlich für sich. Bei der Auswahl und Gegenüberstellung der einzelnen Bildsatiren hat der Herausgeber aber äußerst gute Hand bewiesen. Manchmal hat man den Eindruck, dass einer der Protagonisten von seinem Bild ins nächste blickt: neugierig, erschrocken, verzweifelt oder lüstern. Zu beneiden sind sie alle nicht, die Monsignores und die Frauen, ja nicht einmal der „glückliche Prinz Abdl Nudl Al Frg’L Ibn Petrol“ mit seinem Überfluss an Geld, Luxus und Langeweile. Böse, böse sind diese Bildsatiren, und amüsant für den Betrachter.

Bildsatiren.
Hrsg. und mit Texten versehen von Emanuel Schmid.
München: Nymphenburger, 2001.
80 S.; geb.
ISBN 3-485-00875-3.

Rezension vom 23.04.2001

Originalbeitrag. Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser:innen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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