#Roman

Der Fall Falkenhorst.

Elfriede Semrau

// Rezension von Karin Fleischanderl

Der jüngste Kriminalroman der Wiener Autorin spielt einerseits in der verstaubten Welt der ehemaligen österreichischen Aristokratie, zum anderen ist er in der Neonazi- und Briefbombenbastlerszene angesiedelt.

Diese beiden Komponenten führen zu einer spannenden Geschichte, die rasch skizziert ist: Tassilo Falkenhorst segnet das Zeitliche. Der Tod kam plötzlich und unerwartet, faxt seine zweite Frau Beatrix an dessen drei leibliche Kinder aus erster Ehe. Weder die Todesursache noch der Begräbnistermin werden bekanntgegeben. Beatrix Falkenhorst rechnet allerdings nicht mit der Initiative der geschiedenen Frau Falkenhorst, die nicht bereit ist, mitanzusehen, wie das Erbe ihres Ex-Mannes verschwindet. Schließlich war sie es, die das Schloß vor dem Ruin bewahrt, mit Hilfe der Landesregierung restauriert und einen Teil sogar für Landesausstellungen adaptiert hat. Mit Hilfe des Personals von Gut Falkenhorst, das auf die neue Gräfin gar nicht gut zu sprechen ist, sorgt sie für ein angemessenes Begräbnis.

Bald schon tauchen Zweifel am natürlichen Tod des Herrn Falkenhorst auf. Zunächst nimmt die Ex-Familie die Untersuchungen selbst in die Hand, bald aber erhält sie Unterstützung vom selbsternannten Privatdetektiv Poldi Huber – Semrau-Fans aus den beiden vorangegangenen Romanen bestens bekannt.

Stanislaus, der einzige Sohn des Verstorbenen, entdeckt zufällig in der Familienchronik das verzweifelt gesuchte Testament des Vaters: Seine jetzige Frau wird auf den Pflichtteil gesetzt, Alleinerbin ist die jüngste Tochter Sophie. Diese hat allerdings andere Sorgen und wird noch vor der Testamentsverkündung tot in einem Hotel am Südbahnhof aufgefunden – zugrundegegangen an einer Überdosis Drogen.

Die Spur in die rechte Szene führt über den ehemaligen Afrika-Söldner und Waffennarren Hennerbichler, die rechte Hand von Beatrix Falkenhorst. Er steht im dringenden Verdacht, in einen Anschlag auf eine Gastarbeiterbaracke in Drasenhofen verwickelt zu sein. Die gemeinsame „Abreise“ der beiden nach Kuba trägt nicht gerade zu ihrer Entlastung bei.

Poldi Huber löst schließlich mit Hilfe von Frau Inspektor Angelika Ecker, der alten Kinderfrau Jula und dank seiner Kontakte zur Polizei den Fall und verhilft so doch noch der Gerechtigkeit zum Sieg.

Obwohl bereits nach einigen Seiten klar ist, wer für das Hinscheiden von Herrn Falkenhorst verantwortlich zeichnet, versteht es die Autorin, die Spannung bis zuletzt aufrechtzuerhalten und das Geheimnis erst gegen Ende des Buches zu lüften.
Etwas strapaziert wirkt die Anspielung auf die Historikerin Erika Weinzierl, die in dem Roman als Frau Professor Zierwein zu Ehren kommt und bei der Entschlüsselung eines Bekennerschreibens mithilft.
West- bzw. nicht österreichischen Lesern hilft ein Glossar am Ende des Romans zum besseren Verständnis der vielen wienerischen Dialektausdrücke.

Kriminalroman.
Wien: Milena, 1998.
120 S.; brosch.
ISBN 3-85286-055-5.

Rezension vom 17.06.1998

Originalbeitrag. Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser:innen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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