#Roman

Big Deal.

Jürgen Benvenuti

// Rezension von Sabine E. Dengscherz (Selzer)

Eine adrenalinsüchtige Drogenfahnderin und ein ziemlich träger Schriftsteller auf der Suche nach Ideen für einen Roman. Für die eine ist Action lebensnotwendig und Berichte schreiben Schwerarbeit, der andere klebt an Schreib- und Kaffeehaustischen, ohne Energie fürs Leben aufzubringen. Auf den ersten Blick haben sie nichts gemeinsam. Auf den zweiten Blick aber eine ganze Menge: eine intensive, abenteuerliche Zeit in Jürgen Benvenutis neuestem Thriller Big Deal.

In seinem nunmehr zehnten Roman entführt uns Benvenuti in eine Welt der Drogenbosse und kleinen Dealer, der kriminellen Energie, Rachegelüste und Verfolgungsjagden – und kommt dabei mit erstaunlich wenig Blutvergießen aus. Nichtsdestoweniger ist Big Deal ein Thriller, in dem es nicht gerade zimperlich zugeht.

Ein Chemiker verpfeift seinen Boss und Schwiegervater, einen mittelprächtigen Patrón in Kolumbien, woraufhin ihm die amerikanische Ermittlungsbehörde ein Angebot macht, das er nicht ablehnen kann: er erhält eine neue Identität, und zwar so weit wie möglich weg von Lateinamerika. Was bietet sich besser an als good old Europe? So beginnt in Prag ein neues Leben. In Kolumbien hingegen gibt es einen, der Verrat niemals verzeihen und vergessen kann. Wo käme man da hin? Ein guter Ruf muss hart verteidigt werden.

In Wien Schwechat geht währenddessen Natascha Heller ihrem Traumberuf nach: Dealer fangen. Es ist wie ein Spiel: wer ist schneller, geschickter, gescheiter? Und am Ende gewinnen immer die Guten. Wenns leicht geht. Und wenn man dabei zu unkonventionellen Ermittlungsmethoden greifen muss, umso besser. Sanftheit, Rücksicht oder political correctness interessieren Natascha ebenso wenig wie gesunde Ernährung oder die Vergangenheitsbewältung ihrer Familien- und Beziehungskonstellationen. Das Leben spielt sich hier und jetzt ab. Und zwar im Idealfall mit einer Glock in der Hand. In ihrer Hand, versteht sich.

David Schrot hingegen ist der scheiternde Schriftsteller par excellence. Er schlägt sich mit der Überarbeitung mieser Drehbücher durch diverse finanzielle Miseren und ist selbst für Liebesbeziehungen zu träge. Seine ganze Umgebung scheint ihm einflüstern zu wollen: nun tu endlich was! Aber manchmal tut sich was, ohne dass männchen etwas dazu tut – außer eben zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und das kann sogar die Motorhaube eines weinroten BMW sein, der gerade nicht mehr rechtzeitig gebremst werden konnte. In einer heilen Welt wachsen nämlich Romanideen nicht so gut. Also wird die heile Welt zerschlagen. Für eine Weile.

Ja, und dann sind da noch die Gangsta: ein Möchtegern-Rapper, ein Ex-Bulle, ein Kiffer und ein korrupter Anwalt. Das Beziehungsnetz spannt sich zwischen Prag und Wien, der eine oder andere Faden reicht selbst bis Kolumbien. Pläne werden geschmiedet und wieder vereitelt, die Handlung entwickelt Tempo, Tempo, Tempo.

Benvenutis Schreiben setzt auf Bewegung: Exakte Beschreibungen, bildhafte Sprache und markante Dialoge lassen oft an Filmszenen denken. Auch die Kapitelfolge im Roman erinnert an den Aufbau eines Kinofilms. Schauplatzwechsel, neuer Blickwinkel, Schnitt. Nächste Szene. Und die Spannung steigt.

Big Deal ist ein klassischer Thriller mit klassischen Spannungselementen, aber auch Situationskomik und vor allem sehr lebendig geratenen Figuren. Benvenutis Hauptdarsteller haben alle ihre kleinen Schwächen und wirken gerade deshalb so authentisch. Benvenuti verteilt zwar klassische Rollen, gleitet aber nicht in Klischees ab. Und er setzt auf Prager und Wiener Lokalkolorit – schließlich handelt es sich um einen mitteleuropäischen Thriller, Betonung auf mitteleuropäisch. Und da wird eben nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Dafür aber hin und wieder ziemlich scharf.

Thriller.
Innsbruck-Wien: Haymon, 2007.
346 S.; geb.
ISBN 978-3-85218-526-2.

Rezension vom 10.04.2007

Originalbeitrag. Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser:innen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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