#Roman

Als käme ein Winter.

Andreas Renoldner

// Rezension von Claudia Holly

Der Roman beginnt wie ein Theaterstück. Vorgestellt werden alle Mitwirkenden, als Zusatz jeweils ihr Beruf und – falls notwendig – ihre familiären bzw. persönlichen Verhältnisse zueinander.

Die Geschichte des unentschlossenen Einsiedlers und Kleinbiobauern Franz Modagl erstreckt sich über den Zeitraum von Oktober bis August.

Er hat sich beizeiten ins Utzhäusl am Rande von Utzing zurückgezogen. Einzig durch die Besuche seiner Verwandten und Bekannten (eine Abmachung mit den Eltern und Geschwistern macht ihn zum Mädchen für alles auf dem kleinen Anwesen), spärliche Abstecher ins Dorfgasthaus und seine regelmäßigen Ausflüge auf den städtischen Bauernmarkt, wo er Produkte aus seiner kleinen Landwirtschaft verkauft, kommt er mit der „Außenwelt“ in Kontakt.

Wandertouristen, eine Gruppe grölender Jugendlicher (die in einer Höhle Flugzettel rechtsradikalen Inhalts vorbereiten) sowie ein heimliches Liebespaar stören die Idylle und machen den Einsiedler nicht nur neugierig, sondern zwingen ihn auch initiativ zu werden im Kampf um eine friedliche Privatsphäre.

Im wesentlichen beschäftigt sich der Roman allerdings mit Beziehungskisten im herkömmlichen Sinn. So etwa wird der Leser durch Rückblenden in die Höhen und Tiefen der nunmehr fast-beendeten Beziehung zur Mittelschullehrerin Gabi Murnegg eingeweiht. Diese werden überlagert von der aktuellen und sehr spontanen Beziehung zur „späten“ Studentin Iris Trattner, einer Naturgewalt in emotionalen Dingen.

Während seine Geschwister bereits Familie haben und sich durchs tückische Berufsleben kämpfen, scheint Franz‘ selbstgewählte Einsamkeit – trotz vorhandener finanzieller Engpässe – vieles an Druck von den Schultern zu nehmen.

Man fühlt sich entfernt an das gängige Genre des Heimatromans erinnert, das – in der Zwischen- aber auch noch in der Nachkriegszeit hierzulande zum literarischen Maßstab geworden (Waggerl etc.) – von der Opposition Stadt – Land lebt.
Zwar ist Franz Modagl ein typisches Kind seiner Zeit (Spät-68er mit ausgeprägtem Hang zu alternativer Lebensweise), das oft zu Recht Kritik an den Auswüchsen der Großstadtzivilisation übt und schließlich auch das „Opfer“ desinteressierter Jugendlicher wird, nichtsdestotrotz zeichnet Renoldner ein zu sehr von Gemeinplätzen überfrachtetes Bild einer ländlichen Idylle, deren Reinheit durch die Dekadenz der Stadt gefährdet scheint.

Roman.
Graz, Wien, Köln: Styria, 1997.
313 S.; geb.
ISBN 3-222-12488-4.

Rezension vom 13.08.1997

Originalbeitrag. Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser:innen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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