#Prosa

Absurdes Glück.

Stefan Slupetzky

// Rezension von Christine Schranz

Absurdes Glück, Stefan Slupetzkys neues Werk, ist U-Bahn-Lektüre: Geschichten in der richtigen Länge für die Fahrt von A nach B.

Schwarzhumorig und skurril lernen wir in der an Roald Dahl erinnernden „Wiener Romanze“ Lizzy und Luzy kennen, die fast alles haben – nur keine Wohnung. Doch sie haben Charly, denn der hat eine übrig …

Diese erste Geschichte ist auch die mit Abstand gelungenste. Etwas weniger aufregend folgt ihr die Erzählung von „Doc und Joy“, ihres Zeichens links und rechts zweier unterschiedlicher Paar Schuhe, die auf einer überstürzten Flucht vor der „Sitte“ romantischen Gefühlen frönen.

Zum Schmunzeln hingegen bringt „Bazzazza“. In einer Weinbrandinsel für Schiffbrüchige, soziale Nichtschwimmer und ökonomische Wracks finden sich eines Abends ein zittriger Alter und ein „vogelartiges Tier von unbeschreiblicher Hässlichkeit“ ein. Sobald es eine Flasche Rum getrunken hat, entfaltet das Vogerl apokalyptische Fähigkeiten und wird zum gefiederten Todesboten …

Manch einer Geschichte liegt zwar eine interessante Idee zugrunde, doch lässt die Umsetzung zu wünschen übrig. Andere hingegen berichten, wie der Titel verheißt, gelungen vom absurden Glück oder dessen Abwesenheit.

So etwa die Geschichte vom Kondensmilchmann, der jeden Tag beim „Fröhlichen Moren“ eine Dose Kondensmilch besorgt, weil man in Supermärkten etwas zu kaufen hat. Kondensmilch ist praktisch, weil sie lang hält, auch wenn man sie nie zu konsumieren beabsichtigt. In den Supermarkt muss der Kondensmilchmann, weil er dort die Apfelfrau sieht. Die Apfelfrau kauft täglich einen Apfel. Der Kondensmilchmann spricht sie nicht an. Er will nicht aufdringlich sein; er träumt und kauft Kondensmilch.

Absurdes Glück ist leichte Kost für zwischendurch, doch bin ich als Lemmingleserin von den Kurzgeschichten mitunter enttäuscht. Slupetzky kann gesellschaftskritischer und intelligenter unterhalten, als er es – mit einigen Ausnahmen – diesmal tut.

Bittersüße Geschichten.
Wien: Picus Verlag, 2010.
116 S.; geb.
ISBN 978-3-85452-476-2.

Rezension vom 10.11.2010

Originalbeitrag. Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser:innen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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