
Mit Ich möchte zur Milchstraße wandern, einer Collage aus Texten des Wiener Autors Jura Soyfer (1902–1939), hat der neue Direktor des Wiener Volkstheaters Jan Philipp Gloger am Freitag seine erste Spielzeit eröffnet.
Gloger verbindet für seine Eröffnungsinszenierung die 3 zwischen 1936 und 1938 entstandenen Theaterstücke Weltuntergang, Astoria, Vineta und andere Texte zu einem großen Bogen durch das Werk des erst 26-jährig im KZ ermordeten Jury Soyfer.
Die Stücke, die Gloger zu einer Collage zusammenführt, haben – so Thomas Kramar in seiner Kritik für die österreichische Tageszeitung Die Presse – eines gemeinsam: “Sie spielen in Ausnahmezuständen, in apokalyptischen Welten. Weltuntergang […] ganz wörtlich: Ein Komet soll die – zum Leidwesen der Sonne und der anderen Planeten – von Menschen befallene Erde von diesen säubern. Astoria zeichnet einen Staat ohne Land, der nur aus einem Staatsapparat und Erdölvorkommen besteht. Vineta spielt in der gleichnamigen Stadt, in der nichts passiert und alles dem Vergessen anheimfällt. Diese drei tristen Szenarien lässt Gloger in das berühmte Kometenlied aus Weltuntergang münden […] ‚Gesegnet und verdammt ist diese Erde, von Schönheit hell umflammt ist diese Erde, und ihre Zukunft ist herrlich und groß.‘ Ja, das ist pathetisch, aber nicht kitschig. Und so unprätentiös, fast zerbrechlich wie diesmal hat man es noch nie gehört.”
“Seit der mit Trump II angebrochenen Gegenwart geht es am Theater oft um Parallelen zu den 1930er-Jahren. Um das Aufkommen diktatorischer Ideologien und einen neuen radikalen Nationalismus. Erstaunlich auch, wie viel Jura Soyfer schon über uns heute wusste: über die Wissenschaftsskepsis, verblasene Glaubensideologien, die Geschichtsvergessenheit, die blindwütige Kapitalisierung […] Stark wird der Abend immer dort, wo er sich von der Offenkundigkeit der Interaktion entfernt und ins Enigmatische steuert, etwa im Vineta-Teil, der in gelbes Licht getaucht einen unheimlichen, nicht greifbaren Weltzustand erzeugt. Alle vergessen alles, sie sprechen in Rätseln, wollen nichts” schreibt Margarete Affenzeller in ihrer Kritik für die österreichische Tageszeitung Der Standard).
Die nächsten Vorstellungen von Ich möchte zur Milchstraße wandern sind am 20.09.2025, 26.09.2025, 4.10.2025, 09.10.2025 und 12.10.2025
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