
Der Österreichische PEN hat seine neuen Räumlichkeiten in der Apollogasse im 7. Wiener Bezirk am Freitag Abend mit einem Fest eingeweiht. PEN-Vorstandsmitglieder Marion Wisinger (Präsidentin), Robert Streibel (Vizepräsident) und Thomas Andreas Beck (Generalsekretär) begrüßten die Gäste.
Auf dem Programm standen neben Grußworten von Heide Kunzelmann (Leiterin des Referats Literatur und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Wien) auch Reden von Rudolf Scholten (Kulturminister von 1990 bis 1997 und seit 2025 Sonderberater von Kulturminister Andreas Babler) und Josef Haslinger (Ehrenpräsident PEN Deutschland).
Die Keynote hielt Katja Gasser, Literaturkritikerin und Leiterin des ORF-TV-Kultur Literaturressorts. Unter dem Titel Das Wort zu erheben ist ein Akt der Würde richtete Gasser einen Appell an „uns alle“, die Verantwortung anzunehmen und das Wort zu erheben, wenn Unrecht geschieht.
Ich bin davon überzeugt, dass „wir“ nicht an den Feinden der Demokratie zugrunde gehen werden, „wir“ werden, wenn, an uns selbst zugrunde gehen, weil „wir“ nicht ausreichend begreifen, dass Aufklärung und Humanismus täglich umgesetzt gehören, dass das Wort zu erheben, sich des eigenen Verstandes zu bedienen, unsere tägliche Verpflichtung ist – vorausgesetzt natürlich, wir wollen auch weiterhin in liberaldemokratischen Verhältnissen leben. […]
Zu viele schweigen auch im Kleinsten, nicht selten aus intellektuellem Defizit, vor allem aber, weil sie den eigenen Vorteil über das Gemeinwohl stellen. Für eine Gesellschaft als ganzes ist das eine selbstzerstörerische Entwicklung. Eine Gesellschaft, in der jeder nur mit dem eigenen Vorteil beschäftigt ist, ist eine suizidale und letztlich eine, die die Erfüllung der neoliberalen Idee ist, nämlich, dass Gesellschaft nicht existiert. Voraussetzung für eine solche Entwicklung ist das Verlernen der Fähigkeit, von sich absehen zu können. Die Literatur ist bekanntlich eine Schule dieser Fähigkeit. Auch deshalb gehört dringend gelesen und das Lesen von Literatur in seiner gesellschaftspolitischen Dimension viel entschiedener hervorgehoben.
Abschließend zitierte Gasser 2 Sätze der deutschen Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Nelly Sachs, die sie im neuen Roman Das Glück ist ein Engel mit ernstem Gesicht des Kärntner Autors Josef Winkler gelesen hat: „Ein Mensch der Liebe kann nur aufstehen! Hass schachtelt ein!“
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