
Am Donnerstag öffnete die Leipziger Buchmesse 2026, die heuer von 19. bis 22.3.2026 stattfindet und unter dem Motto „Wo Geschichten uns verbinden“ steht, ihre Tore. Zu diesem wichtigsten Frühjahrstreffpunkt der deutschsprachigen Buchbranche gehören auch das – mit rund 3.000 Veranstaltungen an über 300 Leseorten – größte Lesefestival Europas Leipzig liest sowie die Manga-Comic-Convention.
Neue Schwerpunkte: Fokusthema & Debüts
Erstmals gibt es heuer anstelle eines Länderschwerpunkts ein Fokusthema: “Donau – Unter Strom und zwischen Welt”. Auf dem Programm (Kuratierung: Stephan Ozsváth, Journalist und Südosteuropa-Experte) steht Literatur aus Deutschland, Österreich, der Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien, Rumänien, der Republik Moldau und aus der Ukraine.
Neu ist auch, dass literarische Debüts stärker in den Blick genommen werden sollen, das geschieht durch Schwerpunkte wie “Beste erste Bücher”, im Rahmen der “Langen Leipziger Lesenacht”, in der #buchbar, im BloggerRoom BL:OOM oder auf der Donaubühne, wo etwa die österreichische Autorin Katherina Braschel über ihr Romandebüt Heimholen sprechen wird.
Preise – Übersetzungspreis geht an einen Österreicher
Mit dem Preis der Leipziger Buchmesse werden seit 2005 herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen prämiert. Der Preis wird in drei Kategorien vergeben – Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung – und ist in jeder Kategorie mit jeweils EUR 15.000 dotiert. In der Sparte Belletristik wurde die Deutsche Katerina Poladjan für den Roman Goldstrand (S. Fischer), in der Sparte Sachbuch Marie-Janine Calic für Balkan-Odyssee. 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa (C.H. Beck) ausgezeichnet.
Der Preis für die beste literarische Übersetzung ging in diesem Jahr an einen Österreicher: Manfred Gmeiner (* 1964 in Wien) wurde für Unten leben (Droschl Literaturverlag, 2025), seine Übertragung aus dem Spanischen ins Deutsche des Romans des peruanischen Autors und Literaturwissenschaftlers Gustavo Faverón Patriau ausgezeichnet. Sein Roman entfalte sich als “multiperspektivischer Horror- und Schelmenroman”, in dem sich “Dutzende Erzählstimmen […] zu einem Mosaik der düsteren Geschichte Lateinamerikas [fügen]. In dieser labyrinthischen Erzählung verlieren sich Wahrheit, Erinnerung und literarische Anspielungen ineinander. Manfred Gmeiner übersetzt den Roman mit spielerischer Eleganz ins Deutsche und bewahrt dabei den Blick für eigensinnige Figuren und den Zauber der Poesie. Seine ebenso furchtlose wie packende Übersetzung macht die Lektüre zu einer intensiven, unvergesslichen Erfahrung”, lautet die Begründung der Jury, der in diesem Jahr Katrin Schumacher (Vorsitz), Katharina Herrmann, Tilman Spreckelsen, Kais Harrabi, Judith von Sternburg, Zita Bereuter und Thomas Hummitzsch angehörten.
Bei der Eröffnungsgala am Mittwochabend im Leipziger Gewandhaus wurde der bosnisch-herzegowinische Schriftsteller Miljenko Jergović mit dem mit EUR 20.000 dotierten Preis zur Europäischen Verständigung geehrt. Er erhielt die Auszeichnung für sein Werk Das verrückte Herz. Sarajevo Marlboro Remastered (aus dem Kroatischen ins Deutsche übers. v. Brigitte Döbert, Suhrkamp Verlag. 2024) zur Geschichte des Westbalkans. In seiner Rede appellierte der Autor an Europa, menschlich zu bleiben – vor allem gegenüber denen, die hierher kommen. Europa definiere sich nicht über seine geografischen Grenzen, sondern über seine Vielfalt und dürfe sich nicht von Angst leiten lassen, so der Schriftsteller.
ÖSTERREICH auf der Buchmesse Leipzig
Nach Angaben des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels (HVB) sind heuer rund 40 (2025: 50) österreichische Verlage mit einem eigenen Stand vertreten, zusätzlich stellen 20 (2025: 24) Verlage aus Österreich am HVB-Gemeinschaftsstand aus. Die Interessengemeinschaft Autorinnen Autoren präsentiert auf ihrem Stand rund 60 Editionen und Verlage mit rund 650 Neuerscheinungen, das Buchmessenradio Literadio hat knapp 30 Autor:innen, Herausgeber:innen, Übersetzer und Verleger eingeladen –darunter Xaver Bayer, Ondřej Cikán, Florian Dietmaier, Andrea Grill, Nicole List, Dörte Lyssewski, Lisa-Viktoria Niederberger, Wolfgang Pollanz, Gerhard Ruiss, Jürgen Schütz und Gerda Sengstbratl.
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