Wenn heute von ukrainischer Literatur die Rede ist, richtet sich der Blick häufig zuerst auf den Krieg. Die Literaturzeitschrift Lichtungen, dafür bekannt, Perspektiven über Sprach- und Landesgrenzen hinweg sichtbar zu machen, widmet der Gegenwartsliteratur aus der Ukraine eine Sonderausgabe.
Das von Chrystyna Nazarkewytsch und Marie Gamillscheg kuratierte Sonderheft eröffnet bewusst einen anderen Zugang: Es versammelt Stimmen aus unterschiedlichen Regionen der Ukraine, aus verschiedenen Generationen und literarischen Genres. Die Texte sind während des russischen Angriffskrieges entstanden, doch im Mittelpunkt steht der Mensch: Seine Verletzlichkeit und Widerstandskraft, seine Hoffnung und seine Fähigkeit, unter extremen Bedingungen weiterzuleben.
Zu Gast sind die Lyrikerin, Journalistin und Dokumentarfilmerin Anna Juttschenko aus Lwiw sowie die in Saporischschja geborene Dramatikerin, Regisseurin und Theatermanagerin Anastasiia Kosodii. Juttschenkos 2025 erschienener Debütband Über die Unmöglichkeit Steine zu zähmen kreist um Natur, Stille und die zerbrechliche Suche nach Harmonie. Kosodii macht die Gegenwart der Ukraine in ihren international aufgeführten Theaterstücken erfahrbar, zuletzt wurde sie mit dem Walter-Mossmann-Preis ausgezeichnet.
In Lesungen und Gesprächen werden die Autorinnen von der Übersetzerin und Germanistin Chrystyna Nazarkewytsch aus Lwiw sowie von der Schriftstellerin und Übersetzerin Marie Gamillscheg begleitet. Gemeinsam eröffnen sie einen vielstimmigen literarischen Blick auf eine Ukraine, deren Gegenwart weit mehr umfasst als das Bild eines Landes im Krieg mit dem Aggressor Russland.
Die Lesung wird auf Ukrainisch und Deutsch, das Gespräch auf Englisch gehalten.
