Mi, 3.6.2026, 19.00
#LYRIK

Daniela Chana
Affäre mit einem 
Erzähler
Stefan Schmitzer
space waste

Limbus Lyrik, Ritter Verlag

¡Lyrik!

Lesung und Gespräch: Daniela Chana und Stefan Schmitzer
Moderation und Gespräch: Erwin Uhrmann

Da will eine Frau einfach Schreibende sein, Kunst genießen, Sinnlichkeit kultivieren, Gespräche führen und Wein trinken, sich einkuscheln, reisen, Literatur schaffen. Die Realität hat aber leider noch ein Wörtchen mitzureden – Deadlines drohen, Begriffe entgleiten, Geld will verdient werden, der leidige Abwasch wartet, man wird mit falschem Namen vorgestellt und liest ohne Honorar vor einer Handvoll Freunden.

Was macht nun diese Frau daraus? Gedichte natürlich. Sie präsentiert den Augenblick mit all seiner sanften Schönheit und geballten Dramatik, feiert das Überraschende, arrangiert sich mit fehlenden Buchstaben und ist „die Fürstin auf meinem Balkon“. Denn auch wenn die Inspiration sich ziert und die unerbittlich vergehende Zeit einem Angst einjagt, gibt es „ab und zu echte Hochstimmung“. Daniela Chana erzählt in wenigen Zeilen ganze Geschichten – manchmal fast einreduziert auf einen Aphorismus –, glänzt ebenso mit subtilem Humor wie mit unaufdringlicher Klugheit und plädiert vor allem gegen das Verzweifeln und für das Leben. Stefan Schmitzer verbindet in seinem Lyrikband space waste den Themenkomplex eines himmelschreienden irdischen Müllproblems mit jenem des im Titel angesprochenen Weltraumschrotts, das heißt aller menschgemachter, nicht mehr funktionierender Objekte, die zunehmend eine Gefahr für Raummissionen darstellen. Stefan Schmitzers Langgedicht ist laut zu lesen, um die Kunst seiner phonematischen Gestaltung zur Entfaltung zu bringen. Es sind diskrepante Töne, schrille, allzu helle oder finstere, durch welche motivisch und thematisch aufgerufene Eskalationen akustische Realität erlangen. In kühner Vermischung kolloquialer, auch zotiger, mit hochliterarischen und bisweilen altertümlichen Sprachformen inszeniert der Dichter eine Art des Upcyclings von lexikalischen und morphologischen Relikten. Anklänge an die Rhetorik der frühen Neuzeit oder an Science Fiction à la Hollywood verweisen auf zeitgenössische Techno-Optimismen als Fortschreibung der magischen Tafeln und Formeln frühneuzeitlicher Alchemie über den katastrophalen Status quo hinaus. Der Journalist, Autor und Lyrikspezialist Erwin Uhrmann moderiert den gemeinsamen Abend Daniela Chanas und Stefan Schmitzers im Literaturhaus Wien. 

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