
Der Franz-Tumler-Literaturpreis für zeitgenössische deutschsprachige Debütromane geht in seiner zehnten Ausgabe an die österreichische Autorin Christina König für Alles, was du wolltest (Otto Müller Verlag, 2025). Den Publikumspreis gewann die deutsche Autorin Annegret Liepold mit Unter Grund (Blessing Verlag, 2025). Die Verleihung der heuer zum 10. Mal vergebenenen Auszeichnung fand am Freitag, den 19. September 2025, in der Markus-Kirche von Laas in Südtirol statt.
Jurybegründung
„Mit präziser psychologischer Beobachtung, entlarvenden Dialogen und boshaftem Witz rückt dieser Roman einer Liebesbeziehung zu Leibe, in der die Liebe trotz aller Sinnlichkeit zu kurz kommt. Geld und die ‚feinen Unterschiede‘ des gehobenen Milieus sorgen für ein Gefälle der Macht, eine Verklammerung in Abhängigkeiten. Dass es die Geschichte zweier Frauen ist, ist dabei nicht das Skandalon, sondern dass jede die andere auf ihre Weise verdinglicht und benutzt. Erzählt wird eine alltägliche Geschichte auf höchst originelle Art: Es gibt keine Ich-Erzählerin, sondern eine Du-Erzählerin, die mit sich quasi ein Selbstgespräch führt. Und es gibt drei verschiedene Schlüsse, die auch zeigen, dass der scheinbar Unterlegenen in dieser Beziehung doch die Handlungsmacht nicht verloren geht”, so die Jury, der in diesem Jahr Feruccio Delle Cave (Südtiroler Künstlerbund), Manfred Papst (Literaturkritiker und Herausgeber, Zürich), Jutta Person (Journalistin und Literaturwissenschaftlerin, Berlin), Daniela Strigl (Literaturwissenschaftlerin und -kritikerin, Wien) und Gerhard Ruiss (Geschäftsführer der IG Autorinnen Autoren, Wien) angehörten.
Preisträgerin
Christina König (* 1993 in Linz) studierte Germanistik und Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft in Salzburg und war u. a. als Werbetexterin und Korrektorin tätig. Sie veröffentlichte literarische Texte in Zeitschriften wie Die Rampe, erostepost, mosaik und Am Erker, war unter anderem bei zeilen.lauf 2024 und FM4 Wortlaut 2022 unter den Finalist:innen. Für Alles, was du wolltest erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Bundesministeriums für Kunst und Kultur. Homepage von Christina König
Franz-Tumler-Literaturpreis
Der nach dem Schriftsteller Franz Tumler (geb. 1912 in Gries bei Bozen, gest. 1998 in Berlin) benannte Preis wird alle zwei Jahre von der Südtiroler Landesregierung gemeinsam mit der Gemeinde Laas vergeben. Der Hauptpreis ist mit EUR 8.000 dotiert, darüber hinaus wird ein mehrtägiger Schreib- und Leseaufenthalt in Laas im Rahmen der Vinschger Literaturtage (Herbst 2026) geboten. Der Publikumspreis besteht in einem einwöchigen Schreibaufenthalt auf dem Rimpfhof am Sonnenberg (oberhalb von Laas / Allitz). Homepage Franz-Tumler-Preis
Unter den fünf Finalist:innen zum Franz-Tumler-Literaturpreis waren neben den beiden ausgezeichneten Autorinnen Christina König und Annegret Liepold (* 1990 Nürnberg) auch die Österreicherin Amira Ben Saoud (*1989 in Waidhofen/Thaya) mit Schweben (Zsolnay, 2025) sowie Ricarda Messner (* 1989 Berlin) mit Wo der Name wohnt (Suhrkamp, 2025) und Jan Snela (* 1980 München) mit Ja, Schnecke, ja (Klett-Cotta, 2025).
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