
Für die flugschrift Nr. 56 überarbeitete die Autorin Franziska Füchsl einen englischsprachigen Vortrag, den sie 2025 beim jubiläums-symposion der typographischen gesellschaft austria in Raabs gehalten hatte.
Verwehter Haarschwund – Haare, aufgelesen und gesammelt, verzwirbelt, wutzelt und webt Franziska Füchsl zu Haargespinsten, sogenannten „Favoriterln”, ein Wiener Dialektwort für die Schläfenlocken, so die Autorin, die einmal unter den Nachthauben der „Frauenzimmer“ herausschauten. Diese Art der Flugschrift, nämlich diejenigen Dinge, die sich vom Körper lösen und herabfallen, etwa auf Notizbuch- oder Manuskriptseiten (Haare, Schuppen, Spinnen), nimmt Füchsl zum Anlass, ihnen nicht nur literarische sondern auch typographische Bedeutung zukommen zu lassen.
…and I saw several lashes strewn along my notebooks page. Usually, I would give them an absent-minded blow. But this time I gave the tip of my index a relishing lick and picked up one of the lashes, let it fall onto the bed of my scanner and klicked 2400 dpi (lol). Within the scan of a lash and a couple of clicks, I had my scanner produce a sign or rather the precursor, the presage [Vorahnung] of a sign.
So geht es in Text und Bild, im Auffalten und Entfalten, um Haarsträhnen und Schuppen, um Wutze und Wonke, um Sinnstiftler und Schlafmäntel, um Kuckucke und Reprodukionen dieser Haarsträhnen und Schuppen… Der Wutz bei Jean Paul kann es sich wirtschaftlich nicht leisten, Bücher zu lesen, also schreibt er die, die er gerne lesen möchte, einfach selber.
Die Sprache wutzelt und witzelt (hintergründig und vordergründig) nur so durch die Gegend auf den Seiten der flugschrift von Franziska Füchsl (*1991 in Putzleinsdorf), die sich selbst auch als dem Lesen dienender Hilfstschak bezeichnet und die als Dichterin und (Über-)Setzerin in Wien und Kiel lebt. In letzterem hat sie Sprache und Gestalt, in ersterem Philologie studiert. Von 2018 bis 2020 war sie im FORUM Text vom Drama Forum von uniT. Im Verein Versatorium betreut sie den Druckraum Jahoda, bestückt mit einer Korrex Stuttgart und Bleizähnen. Veröffentlichungen: rätsel in großer schrift (Edition mosaik 2018), My Haarschwund (Sampson Low 2020), Tagwan und Die Straßen sind sichtbar (Ritter 2020/23), Am Rande der Müh (Edition Thanhäuser 2026).
Die flugschrift ist eine von dem Autor Dieter Sperl konzipierte und herausgegebene und vom Literaturhaus Wien unterstützte Literaturzeitschrift, die einem Autor bzw. einer Autorin gewidmet ist, der/die eingeladen wird, jeweils eine Ausgabe nach seinen/ihren Vorstellungen zu entwerfen. Die flugschrift bietet auf einem 48 x 68 cm großen Format – beidseitig bedruckbar und mehrfach gefaltet – den größtmöglichen gestalterischen Spielraum – vom Plakat bis zum 16-seitigen Heft. Seit 2012 haben Autor:innen unterschiedlicher Generationen eine flugschrift nach ihren Vorstellungen gestaltet – von Friederike Mayröcker und Gerhard Rühm bis zu Ann Cotten, Teresa Präauer, Margret Kreidl und Natascha Gangl. Auch von internationalen Künstler:innen wie der Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller und dem US-amerikanischen Autor Mark Z. Danielewski gibt es schon flugschrift-Ausgaben. www.flugschrift.at/
Die flugschrift kann via Mail oder im Online-Shop des Literaturhaus Wien bestellt werden oder vor Ort im Literaturhaus Wien erworben werden.
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