#Preis

Hugo-Ball-Preis für Ilse Kilic

Mo. 1.6.2026

Die Wiener Schriftstellerin Ilse Kilic erhält den mit EUR 10.000 dotierten Hugo-Ball-Preis, der von der Stadt Pirmasens im Gedenken an den Dada-Künstler alle 3 Jahre vergeben wird.
Der Förderpreis (EUR 5.000 Euro) geht an die deutsche Jazz-Musikerin Anke Lucks. Wie die im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz gelegene Stadt am Montag in einer Aussendung mitteilte, findet die Verleihung der beiden Preise am Sonntag, den 14. Februar 2027, im Forum Alte Post in Pirmasens statt.

Jury & Begründung

„Ilse Kilic ist ein bodennaher Fixstern am Firmament der deutschsprachigen Experimentalliteratur“, heißt es in der Begründung der 3-köpfigen Jury, der in diesem Jahr die Autor:innen Ann Cotten und Feridun Zaimoglu sowie der Schriftsteller, Kurator und Verleger Uwe Warnke angehören.
Kilic beschäftige sich – lokal vernetzt und mit wacher Weitsicht – seit vielen Jahrzehnten mit den großen Fragen von Sprachphilosophie, Leben und Welt, die sie in ihrer stilsicheren, unvergleichlichen Punk-Ästhetik mithilfe von beantwortbaren Fragen erfasse. „Ob der Grundmodus Erzählung oder Essay ist, hoch ist der Unterhaltungsfaktor und diamanten die Härte und Schärfe der Gedanken“, urteilt die Jury weiter.

Ilse Kilic

In Wien geboren, gehört Ilse Kilic zu den prägendsten Künstlerinnen der österreichischen Gegenwartsliteratur. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Graphic Novel, Spiel- und Regelpoesie, Nicht-Erzählung und visuelle Poesie. Inhaltlich befasst sich Kilic mit den Lebensbedingungen von Personen inner- und außerhalb literarischer Texte. Dabei spielt Kritik der (gesellschaftlichen) Realität und Wirklichkeit eine ebenso große Rolle wie Sprachexperiment und das Spiel „mit und gegen die Regel“. Sie schafft Werke von sprachlicher Präzision und spielerischer Haltung, angelehnt an die Konzeption der Oulipo-Gruppe sowie an Punk- und Post-Punk-Haltungen. Seit 1986 sind viele ihrer Arbeiten mit Fritz Widhalm im gemeinsamen Kunstprojekt „Das fröhliche Wohnzimmer“ entstanden, einem multimedialen Raum, der Literatur, Zeichnung, Musik und Performance vereint. Zwischen 2006 und 2021 betrieben Ilse Kilic und Fritz Widhalm in einem Ladenlokal in der Wiener Josefstadt einen Treffpunkt zum literarischen, künstlerischen und solidarischen Austausch. Diesem war ein Glücksschweinmuseum mit über 700 Exponaten angegliedert. Kilic ist seit 2019 Präsidentin der Grazer Autorinnen und Autorenversammlung und wurde für ihr Schaffen mehrfach ausgezeichnet, darunter 2016 mit dem Veza-Canetti-Preis der Stadt Wien und dem Heimrad-Bäcker-Preis (2024). Ihre literarischen Arbeiten erscheinen seit 1996 zu einem großen Teil im Ritter Verlag (Klagenfurt).

Der Preis 

Mit dem Hugo-Ball-Preis würdigt die Siebenhügelstadt das Werk des in Pirmasens geborenen Künstlers, Schriftstellers und Kriegsgegners. Ball (1886-1927) hat – u. a. 1916 im Zürcher Cabaret Voltaire – mit Dada eine der einflussreichsten Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts mitbegründet.
Mit dem Kulturpreis geehrt werden seit 1990 im 3-Jahres-Rhythmus lebende Persönlichkeiten, die geisteswissenschaftlich und/oder künstlerisch im Sinne Hugo Balls arbeiten. Nach den 2024 erweiterten Vergabe-Richtlinien wird der Förderpreis an Kunstschaffende verliehen, die sich in besonderem Maße gegen Ausgrenzung und Diskriminierung einsetzen.
Zu den bisherigen Preisträger:innen zählen Oskar Pastior, Cees Nooteboom, Robert Menasse, Klaus Wagenbach, Feridun Zaimoglu, Max Goldt, Andreas Maier, Ann Cotten und zuletzt 2020 Bov Bjerg. Der Medienkünstlerin Hito Steyerl war der Hauptpreis 2023 zugesprochen worden. Für den Förderpreis war Olivia Wenzel nominiert. Auf beider Wunsch hin wurde die Verleihung ausgesetzt und die Preisgelder zugunsten einer “aktualisierten kritischen Auseinandersetzung mit Hugo Balls Werk und Umfeld sowie einer Debatte darüber, welche Schlüsse sich für unsere von antisemitischen und rassistischen Vorurteilen und Vorfällen gezeichneten Gegenwart ziehen lassen.” www.pirmasens.de/hugoballpreis

Informiert
bleiben

Sie können 3 Newsletter abonnieren:

  • Literaturhaus Wien News
  • Literaturhaus Wien Veranstaltungsprogramm
  • Österreichische Exilbibliothek News

Bitte schicken Sie uns eine entsprechende Nachricht mit dem Betreff „Newsletter bestellen“. Für Abbestellungen bitte im Betreff „Newsletter abbestellen“ schreiben.