
Der in Hamburg lebende österreichische Schriftsteller Norbert Gstrein erhält den mit EUR 50.000 dotierten Siegfried Lenz Preis 2026. Wie die Siegfried Lenz Stiftung auf ihrer Homepage mitteilte, findet die feierliche Preisübergabe am Freitag, den 11. September 2026 im Hamburger Rathaus statt. Die Laudatio wird Daniel Kehlmann halten.
Über die Vergabe des seit 2014 biennal vergebenen Preises entscheidet eine Jury, der in diesem Jahr Günter Berg (Vorstand der Siegfried Lenz Stiftung, Hamburg), Ulrich Greiner (Autor und Literaturkritiker, Hamburg), Rainer Moritz (Autor und Literaturkritiker, Hamburg), Annegret Schult (Buchhändlerin, Hamburg) und Laura de Weck (Literaturkritikerin und Dramatikerin) angehören.
Gstrein habe sich schon in seinem Debüt, der Erzählung Einer (1988), als ein Autor erwiesen, “der eigenständig an die Literatur der klassischen Moderne anknüpft und deren Motive und Themen konsequent weiterentwickelt. Sein rund zwanzig Romane und Essays umfassendes Werk kreist um große erkenntnistheoretische und moralische Fragen. Es geht um ‚Identität‘, ‚Wahrheit‘ und ‚Schuld‘. Gstrein konfrontiert seine Leserinnen und Leser gleichzeitig damit, dass jedem Erzählten zu misstrauen ist, es keine Verlässlichkeiten gibt und einfache Kausalitäten nur scheinbare Kausalitäten sind”, begründete die Jury ihre Entscheidung.
“Gstreins Prosa handelt vom Nicht-Auslotbaren, Nicht-Fixierbaren des Lebens – im Kontext der historischen Zerwürfnisse und Katastrophen des 20. und 21. Jahrhunderts. Beispiel- und meisterhaft werden diese Erzählstränge in Gstreins aktuellem Roman Im ersten Licht (2026) zusammengebunden, der als großes Antikriegsbuch und als Erörterung der Schuld, die Menschen willentlich oder unwillentlich auf sich laden, zu lesen ist. Nicht zuletzt gilt es, in Norbert Gstrein einen Autor zu ehren, dessen Texte von einer gedanklichen Klarheit und stilistischen Brillanz geprägt sind, wie man sie in der gegenwärtigen deutschsprachigen Literatur nur sehr selten findet.”
Norbert Gstrein, 1961 in Tirol geboren, lebt in Hamburg. Er erhielt u. a. den Alfred-Döblin-Preis, den Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung, den Uwe-Johnson-Preis, den Österreichischen Buchpreis 2019, den Düsseldorfer Literaturpreis und den Thomas-Mann-Preis. Bei Hanser erschienen Die Winter im Süden (Roman, 2008), Die englischen Jahre (Roman, Neuausgabe 2008), Das Handwerk des Tötens (Roman, Neuausgabe 2010), Die ganze Wahrheit (Roman, 2010), In der Luft (Erzählungen, Neuausgabe 2011), Eine Ahnung vom Anfang (Roman, 2013), In der freien Welt (Roman, 2016), Die kommenden Jahre (Roman, 2018), Als ich jung war (Roman, 2019), Der zweite Jakob (Roman, 2021), mit dem er für den Deutschen Buchpreis nominiert war, sowie zuletzt Vier Tage, drei Nächte (Roman, 2022) und Mehr als nur ein Fremder (2023). Im Frühjahr 2026 erschien sein neuester Roman Im ersten Licht.
Der Preis, mit dem internationale Schriftstellerinnen und Schriftsteller ausgezeichnet werden sollen, “die mit ihrem erzählerischen Werk Anerkennung erlangt haben und deren schöpferisches Wirken dem Geist von Siegfried Lenz nah ist”, wird seit 2014 von einer von dem deutschen Autor Siegfried Lenz (1916–2014) gegründeten, in Hamburg beheimateten Stiftung vergeben. Bisherige Preisträger:innen waren Amos Oz, Julian Barnes, Richard Ford, Ljudmila Ulitzkaja, Elizabeth Strout und zuletzt Claire Keegan.
Neben der Vergabe des Preises gehören die “die wissenschaftliche Aufarbeitung des schriftstellerischen und publizistischen Werks” von Siegfried Lenz sowie die “Vergabe von Stipendien an junge Künstler und Wissenschaftler, insbesondere Schriftsteller” zu den Aufgaben der Stiftung.
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