Mo, 24.11.2025, 19.00
#ÖEB

Anna Hájková
Wie können wir eine Geschichte von Liebe und Sexualität in Holocaust und Exil schreiben

¡Vortrag | Keynote Lecture!

Anna Hájková, tschechische und britische Historikerin, geht in ihrer Keynote Lecture für die Tagung Liebe, Sexualität und Intimität im Exil der Frage nach: Wie können wir eine Geschichte von Liebe und Sexualität in Holocaust und Exil schreiben?
In den letzten zwanzig Jahren begann sich die Holocaustgeschichte mit Sexualität zu beschäftigen, vor allem mit jener der Opfer. Zunächst gelangten sexuelle und sexualisierte Gewalt in den Fokus des wissenschaftlichen und Publikumsinteresses. Subthemen wie queeres Verlangen, sexueller Tauschhandel, trans* Geschichte oder sexuelle Gewalt unter Männern wurden jedoch schnell als unpassend oder gar „woke“ abgetan. Romantische Liebe blieb dagegen ein positiv konnotierter Topos, z. B. In Heather Morris’ Roman Der Tätowierer von Auschwitz. Doch können wir romantische Liebe nur im breiteren Kontext von Sexualität verstehen. In ihrem Vortrag zeichnet Anna Hájková eine Landkarte der Formen von Sexualität in Holocaust und Exil, geht auf zentrale methodologische und ethische Probleme ein und fragt: Was ist die Rolle der Historikerin?

Veranstaltet von der Österreichischen Exilbibliothek in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung

23.–25.11.2025

Liebe, Sexualität und Intimität im Exil –historische und aktuelle Perspektiven
Tagung | Buchpräsentation | Vortrag

 

Die Tagung der Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung (öge) widmet sich bisher wenig beachteten Erfahrungen von Geflüchteten und fragt nach emotionalen, romantischen oder körperlichen Erfahrungen des Exils. Die Analyse von agency im Exil muss unweigerlich Gefühle als zentrale Dimension einbeziehen. In der von Angst, Trauer und Wut verbundenen Fluchtsituation konnten emotional communities Stabilität und Zugehörigkeit stiften und die Basis für innige Beziehungen bilden. Familie, (Schein-)Ehen oder queere Netzwerke vermochten den Alltag im Exil zu erleichtern und alternative Handlungsoptionen zu eröffnen. Parallel dazu radikalisierten sich jedoch in der sozialen Isolation des Exils mitunter gewaltvolle Beziehungsformen; geschlechterhierarchische Strukturen konnten sich verschärfen, während Männlichkeits- und Weiblichkeitsbilder wie auch emanzipative Errungenschaften Rückschläge erfuhren. Sowohl historisch als auch in gegenwärtigen Regimen wurden lesbische, schwule, queere sowie inter- und transsexuelle Menschen ausgegrenzt und verfolgt – im Nationalsozialismus, in Syrien, in Putins Russland.

Bei der Konferenz werden die Themen Liebe, Sexualität und Intimität im Exil aus historischer und aktueller sowie aus interdisziplinärer Perspektive beleuchtet. Die Tagung findet am 24. und 25.11. in der Sky Lounge der Universität Wien statt (1090, Oskar-Morgenstern-Platz 1). Zum Auftakt wird am 23.11. Marc Verschooris’ Buch Martha’s Labyrinth im QWien – Zentrum für queere Kultur und Geschichte präsentiert (1050, Ramperstorffergasse 39). Am 24.11. wird Anna Hájková eine Keynote Lecture zum Thema im Literaturhaus Wien halten.

Details zum Programm

Anna Hájková ist Reader of modern Euro- pean continental history an der University of Warwick in Großbritannien und Pionierin der queeren Holocaustgeschichte. Ihre Monografie Menschen ohne Geschichte sind Staub. Queeres Verlangen im Holocaust ist 2024 bei Wallstein erschienen und wurde von queer.de zu einem der Sachbücher des Jahres gewählt.

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