
Der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan ist am Freitag, 25. Juli 2025, mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur ausgezeichnet worden. Kulturminister Andreas Babler überreichte den vom Bund gestifteten und mit EUR 25.000 dotierten Preis im Rahmen einer Festveranstaltung am Rande der Salzburger Festspiele.
In seiner Dankesrede, die Zhadan auf Deutsch hielt, sprach er von der Herausforderung, dem Krieg mit Literatur zu begegnen. „Der Krieg durchdringt alles, auch die Sprache“, sagte er. „Wir schreien für jene, die nicht mehr sprechen können, die ihrer Stimme beraubt sind. Es ist sehr wichtig für uns, sprechen zu können. Aber es ist nicht weniger wichtig, nicht nur gehört, sondern auch verstanden zu werden.“ Literatur sei ein Versuch, die Welt neu zu benennen und die eigene Würde zu verteidigen.
“Serhij Zhadan entwickelt seine faszinierend-kunstvollen und dabei immer auch hochgradig lebendigen und vielstimmigen literarischen Räume vor geschichtlich klar erkennbaren Hintergründen”, begründete die Jury, bestehend aus Raphaela Edelbauer, Klaus Kastberger, Alexander Potyka, Klaus Seufer-Wasserthal und Anne-Catherine Simon ihre Entscheidung. Es sei ein Zeichen der Hoffnung und das Merkmal eines erfolgreichen Widerstandes, dass der der Ukraine aufgezwungene Krieg die Stimme der Literatur nicht zum Schweigen gebracht habe.
Für Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler ist Serhij Zhadan “einer der prägnantesten Schriftsteller der europäischen Gegenwartsliteratur”. Sein Werk verfüge über jene literarische Kraft, die es brauche, um in Zeiten des Krieges und des Terrors Zeugnis abzulegen und Hoffnung zu spenden, so Babler.
Serhij Zhadan, 1974 im Gebiet Luhansk/Ostukraine geboren, studierte Germanistik, promovierte über den ukrainischen Futurismus und gehört seit 1991 zu den prägenden Figuren der jungen Szene in Charkiw. Er debütierte als 17-Jähriger und publizierte zwölf Gedichtbände und sieben Prosawerke. Für Die Erfindung des Jazz im Donbass wurde er mit dem Jan-Michalski-Literaturpreis und mit dem Brücke-Berlin-Preis 2014 ausgezeichnet (zusammen mit Juri Durkot und Sabine Stöhr). Die BBC kürte das Werk zum “Buch des Jahrzehnts”. 2022 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Zhadan lebt in Charkiw und ist seit Mai 2024 Soldat.
Der vom Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport vergebene Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird seit 1965 für das literarische Gesamtwerk einer europäischen Autorin bzw. eines europäischen Autors verliehen, das international besondere Beachtung gefunden hat, was durch Übersetzungen dokumentiert sein muss. Das Werk muss auch in deutschsprachiger Übersetzung vorliegen. Unter den bisherigen Preisträger:innen waren 2024 Joanna Bator (Polen), 2023 Marie Ndiaye (Frankreich), 2022 Ali Smith (Schottland), 2021 László Krasznahorkai (Ungarn), 2020 Drago Jančar (Slowenien), 2019 Michel Houellebecq (Frankreich), 2018 Zadie Smith (Großbritannien) und 2017 Karl Ove Knausgård (Norwegen).
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